Eleonore Dehnerdt und das Ensemble Estampie in der Stiftskirche Kaufungen

Über Macht und Demut

Mittelaltermusik von Sarah M. Newman (links), Sascha Gotowtschikow und Sigrid Hausen vom Ensemble Estampie in der Stiftskirche.

KASSEL. An diesem besonderen Abend sind die Straßen fast leer, ein kleiner Junge schwenkt die schwarz-rot-goldene Fahne, Deutschland bereitet sich vor, Weltmeister zu werden. Die Zuhörer in der Stiftskirche Kaufungen sind für zwei Stunden eingetaucht in eine ferne Epoche: Zurückgeschickt ins Mittelalter, jene Zeit, als Kaiserin Kunigunde ihr Gelübde ablegte. Falls sie von todbringender Krankheit geheilt werde, wolle sie ein Nonnenkloster in Kaufungen bauen.

Der Kultursommer widmete sich am Sonntagnachmittag mit dem „Gelübde der Kaiserin“ diesem historischen Ereignis auf den Spuren einer tausendjährigen Geschichte.

Die Einweihung der Kaufunger Stiftskirche jährt sich in diesen Wochen zum 989. Mal. Dieser Anlass sollte mit Musik und Lesung gefeiert werden: Die Schriftstellerin Eleonore Dehnerdt, auf historische Romanbiografien spezialisiert, greift in ihrem neuen Buch die Geschichte der Kaiserin Kunigunde auf. In der Stiftskirche rezitiert sie aus ihrem Roman, lässt wie in einem Tagebuch die Geschichte einer mutigen Frau lebendig werden: Wie Kunigunde an der Seite von Heinrich II. regiert, mit ihm gemeinsam in Feldzüge zieht und 1017 ihren Entschluss fasst, ein Kloster in Kaufungen zu gründen.

Eleonore Dehnerdt gelingt es, ein spannungsreiches Leben zwischen Machtbewusstsein und Demut zu entwickeln. Ihre Lesesequenzen wechseln immer wieder mit den musikalischen Beiträgen der Gruppe Estampie. Das renommierte Ensemble für frühe Musik (Sigrid Hausen, Sarah M. Newman, Michael Popp, Ernst Schwindl und Sascha Gotowtschikow) erobert sich mit historischen Instrumenten wie Drehleier, Harfe und Fidel die Welt der Mittelaltermusik.

Den Musikern gelingt vokal und instrumental auch eine interessante Verbindung zu anderen Stilarten und Nationalitäten: „Trotto“, ein Stück aus dem Italien des 14. Jahrhunderts, wurde durch den großartigen Perkussionisten Gotowtschikow musikalisch rauschhaft gesteigert und dann begeistert beklatscht von den Zuhörern in der nicht ausverkauften Stiftskirche.

Von Juliane Sattler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.