Tradition und Innovation: Die Düsseldorfer Malerschule im 19. Jahrhundert im Museum Kunstpalast

Überblick über eine Epoche

Gemeinschaftswerk mehrerer Künstler um Theodor Hildebrandt, Julius Hübner d. Ä. und Wilhelm von Schadow: „Der Schadow-Kreis (Die Familie Bendemann und ihre Freunde)“, 1830/31. Fotos:  Museum Kunstpalast

Düsseldorf. Ein riesiges Schaubild begrüßt die Besucher im Museum Kunstpalast in Düsseldorf, eine Weltkarte mit Pfeilen, die in das frühere Dorf am Rhein weisen. Es unterstreicht eindrucksvoll die Tatsache, dass die Düsseldorfer Malerschule, deren Gründung 1773 als Kurfürstlich Pfälzische Akademie auf Kurfürst Carl Theodor zurückgeht, im 19. Jahrhundert Künstler aus aller Welt angezogen hat.

„Weltklasse“ wurde die Ausstellung stolz betitelt. 450 Exponate - Leihgaben aus Paris, St. Petersburg und den USA - aus 30 Ländern sollen die internationale Bedeutung der Malerschule belegen. Doch der Ausflug ins 19. Jahrhundert sei „gewöhnungsbedürftig“, umschreibt es Kuratorin Bettina Baumgärtel. Etwa das monumentale „Jüngste Gericht“ von Wilhelm von Schadow will nicht recht seinen Charakter als avantgardistisches Werk entfalten. Dabei war es der langjährige Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie, der mit seiner Definition des Künstlers als Mittler zwischen Gott und der Welt neue Seiten aufgeschlagen hatte.

Schadow rief, die Künstler kamen. Neben Paris und Antwerpen galt Düsseldorf als erste Wahl. Ausgehend von der Historienmalerei wandte sich die Schule Landschafts- und Genremalerei zu. Der Wettstreit von Tradition und Innovation war für die die gesamte Kunst im 19. Jahrhundert charakteristisch, insofern wird ein Epochenüberblick geboten.

Der Realismus tat sich schwer. Romantisch-idealistische und illustrativ-vaterländische Themen behielten lange die Oberhand. Aber mit der so genannten Seelenmalerei - etwa Eduard Bendemanns „Die trauernden Juden im Exil“ (1832) - wurde ein neuer Zug deutlich. In der Klasse für Landschaftsmalerei entstanden die meisten Meisterwerke. Fjorde seiner Heimat malte der Norweger Johan Fredrik Eckersberg, der Amerikaner William S. Haseltine verewigte „Das Meer bei Capri“. Italien faszinierte auch Oswald Achenbach, bei dem mit der Betonung von Licht und Farbe der Impressionismus aufglimmt. Der junge Arnold Böcklin ist mit einer dräuenden Landschaft vertreten. Roter Faden ist das Motiv der Überfahrt.

Am Ende des Jahrhunderts bricht sich das Neue radikaler Bahn. Naturalistische Szenen aus der Arbeitswelt und kritische Töne gegenüber der Obrigkeit prägen die Bilder von Johann Peter Hasenclever. Referenzwerke von Liebermann und Monet, Ludwig Richter und Christian Rohlfs sollen die Modernität der Malerschule bezeugen. Tatsächlich hatte sie den Anschluss an Paris und London verloren. Die Welt war nach wie vor in Düsseldorf zu Gast, was nicht hieß, dass alles Geschaffene weltklasse war.

Mit dem Ersten Weltkrieg endet die Geschichte der Malerschule. Die hohe Zeit der Kunstakademie sollte noch kommen. Wer aber geglaubt hat, Düsseldorf sei erst in den letzten Jahrzehnten zum Kunstzentrum aufgestiegen, muss umdenken.

Bis 22. 1., Tel. 0211/ 8990200, www.smkp.de. Der zweibändige Katalog kostet 49,90 Euro.

Von Ulrich Traub

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