Überraschung: Neues Album von US-Sängerin Beyoncé

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Nicht mal ihre Plattenfirma Sony rechnete mit einem neuen Album: US-Sängerin Beyoncé (32) veröffentlichte ihre neuen Lieder am Freitag ohne Vorwarnzeit bei iTunes.

Einen größeren Knaller hat die Musikbranche in diesem Jahr nicht erlebt. Üblicherweise werden neue Alben von Superstars Monate im Voraus angekündigt und mit viel Geld beworben. Doch als die Mitarbeiter von Sony in München am Freitag ihre Rechner hochfuhren, waren sie so verblüfft wie alle anderen.

Sonys kommerziell erfolgreichste Künstlerin der letzten 15 Jahre, Beyoncé Knowles, hatte um Mitternacht New Yorker Ortszeit ihr neues Album veröffentlicht – und zwar exklusiv bei iTunes (ab 20. Dezember gibt es das Werk auch als CD und bei anderen Downloadanbietern).

Angeblich wussten weltweit nur zehn Personen über den Erscheinungsmoment von „Beyoncé“ Bescheid. „Ich wollte einfach die Musik rausbringen, sobald sie fertig ist“, teilte die 32-Jährige mit. Derartige Ad-Hoc-Veröffentlichungen gab es dieses Jahr einige – etwa „Magna Carta“ von Beyoncés Ehemann, Rapper Shawn Carter alias Jay-Z. Aber selbst bei David Bowies Überraschungsalbum „The Next Day“ betrug die Vorwarnzeit noch zwei Monate, bei „Beyoncé“ lag sie bei genau null Sekunden.

Dieses Album hat nicht nur Hand und Fuß, sondern auch Herz und Seele. Zu den 14 Songs gesellen sich 17 Videos. Das Video zum ersten Song „Pretty Hurts“ spielt bei einem Schönheitswettbewerb in Knowles’ Geburtsort Houston. Man sieht Mädchen, wie sie sich den Finger in den Hals stecken, Pillen schlucken, es ist auf surreal bezaubernde Weise unappetitlich. Wenn die makellos schöne Beyoncé mit Zeilen wie „Perfektion ist die Krankheit der Nation“ gegen die Selbstoptimierung ansingt, ist das nicht ohne Ironie. Aber die Botschaft der skandalfreien Künstlerin kommt an.

Ihrem Ruf als gemäßigter Feministin, den sie bereits mit Destiny’s Child pflegte, wird sie mit „Flawless“ gerecht, das zu den am klarsten HipHop-orientierten Nummern zählt und die eine Rede der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie zitiert, die Frauen zu mehr Selbstbewusstsein aufruft.

Ansonsten wird auf „Beyoncé“ ein bisschen zu viel kopuliert. Ein Song nach dem anderen kreist um die Großartigkeit von Knowles’ monogamem Sexleben, und in „Drunk on Love“, dem Duett mit Jay-Z wird aus dem Namen Monica Lewinsky ein Verb.

Obwohl zahllose Komponisten und Produzenten beteiligt waren – darunter Topleute wie Pharrell Williams und Timbaland – ist die Musik auf „Beyoncé“ schlüssig. Es gibt ein paar hymnisch-dramatische Großpopnummern wie „Pretty Hurts“ und „Blue“, wo Tochter Blue Ivy den Refrain brabbelt.

Der auf „Beyoncé“ dominierende Stil aber ist eine elektronische Variante von R&B und Soul, die Anzahl der Beats pro Minute eher niedrig. Von Streichern ist kaum etwas zu hören. „Beyoncé“ ist ein Marketing-Coup und ein künstlerischer Triumph. Wer hätte sich das träumen lassen?

Beyoncé: Beyoncé (Sony). Wertung: vier von fünf Sternen

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