Überwältigend: Das European Union Youth Orchestra bei der „Sommer-Sinfonie“

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Eine der besten Geigerinnen ihrer Generation: Die 27-jährige Vilde Frang beim Konzert in der Kasseler Stadthalle mit dem European Union Youth Orchestra unter Leitung von Vasily Petrenko. Foto: Zgoll

KASSEL. Zuerst Romantik pur, dann ein genial zerrissenes sinfonisches Ungetüm: Sensationell war der starbesetzte Auftakt der Reihe „Sommer-Sinfonie“ des Kultursommers Nordhessen. Ein ganz großer Abend in der Kasseler Stadthalle mit dem European Union Youth Orchestra, Geigerin Vilde Frang und Dirigent Vasily Petrenko.

Wunderbar, wie Vilde Frang (27) das erste Violinkonzert von Max Bruch vergegenwärtigte. Die zweifache Echo-Klassik-Preisträgerin bewies, dass sie zu Recht als eine der besten Geigerinnen ihrer Generation gilt. Aus der Konkurrenz an Hochbegabungen ragt sie durch die Wärme ihres Spiels heraus.

Die Norwegerin erfüllte jede Phrase des beliebten Stücks mit Leben, schuf Momente einer ergreifenden Entrückung, beeindruckte durch die so filigrane wie luxuriöse Sinnlichkeit ihres Klanges. Nach Jubel von Publikum und Mitmusikern spielte sie ein norwegisches Märchen des Komponisten Bjarne Brustad als Zugabe.

Der Abend ging grandios weiter, denn das Jugendorchester der Europäischen Union bot eine überwältigende Leistung mit der 4. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch. Eine gefürchtet exzentrische Musik aus der Schreckenszeit des Stalinismus, geschrieben für ein Mammutorchester mit 140 Instrumentalisten.

Die jungen Musiker bändigten das einstündige Monstrum mit Bravour. Sie gestalteten Eruptionen von ohrenbetäubender Wucht und ernüchternde Zusammenbrüche. Sie überzeugten als Kollektiv wie in den Soli. Vasily Petrenko, Chefdirigent in Liverpool und Oslo, leitete unsentimental präzise, ohne Mätzchen.

Die Fülle an Effekten versetzte in Erstaunen, vom martialisch stampfenden Beginn bis zur resignierten Anti-Apotheose am Schluss. Besonders irre: das brausende Streicher-Fugato im ersten Satz. Die 700 Zuhörer quittierten das aufreibende Konzerterlebnis mit tosendem Beifall.

Nächster Termin: Jovem Orquestra Portuguesa, Dienstag, 20 Uhr, Kasseler Stadthalle.

Von Georg Pepl

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