Drei Magnificat-Kompositionen standen im Mittelpunkt des Adventskonzerts der Kantorei St. Martin

Adventskonzert der Kantorei an St. Martin

Stimmungsvoll: Kantorei und Orchester St. Martin mit dem Leiter Eckhard Manz. Foto: Schoelzchen

Kassel. Adventskonzert in der voll besetzten Martinskirche: Mitten in die Klang- und AusdrucksweltJohann Sebastian Bachs platzen zwei exaltierte Sopranstimmen.

Höchste Aufregung, die sich in heftiger Bewegung der Gesangslinien manifestierte - völlig zu Recht: Das Magnificat, der Lobgesang, den Maria nach der Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel anstimmt, spiegelt eine emotionale Grenzsituation. Und wir erleben, wie Maria dieses Geschehen zunächst auf sich, die „niedrige Magd“, bezieht, sich dann aber fängt und das Geschehen in die Heilsgeschichte Israels einordnet.

Der Komponist Manfred Trojahn (62) benötigt für seine Magnificat-Vertonung zwei Stimmen, um die Gefühlsextreme Marias einzufangen. Und nach den großen Ausschlägen zu Beginn, da sie von widersprüchlichen, das heißt: dissonanten, Empfindungen überwältigt wird, führt Trojahn den Gesang zurück in Harmonie, in Folgen von Terzen und Sexten, die durchaus ungewöhnlich sind für ein Stück mit dem Entstehungsjahr 2009.

Ein Glücksfall der Kasseler Zweitaufführung dieses eindrucksvollen Werks unter der Leitung von Kantor Eckhard Manz waren die beiden Sopranistinnen: Romy Petrick verband ihre kraftvolle, farbenreiche Stimme wunderbar mit dem hell fokussierten Sopran Susanne Pütters’. Grundiert wurde der Gesang von den feinen Farben der Holzbläser und der Streicher des Orchesters St. Martin, das mit sanften Pulsschlägen dem Gesang auch so etwas wie körperliche Regungen unterlegte.

Bachs Magnificat im Trompetenglanz

Festlich im Trompetenglanz erstrahlte dagegen Bachs Magnificat, das in den Solosätzen der beiden Soprane, aber auch beim Basssolo „Quia fecit“ von Daniel Blumenschein und in der verinnerlichten Altarie „Esurientes implevit“ mit Mechthild Seitz sehr profiliert daherkam. Die Kantorei St. Martin zeigte dagegen beim „Omnes generationes“ nicht ganz die gewohnte Präsenz.

Trotz einiger dissonanter Reibungen kam das 1989 entstandene Magnificat von Arvo Pärt für Chor a cappella mit archaischer Würde daher. Klanglich reizvoll durch den dezent hervortretenden Soloalt, aber im Gegensatz zu den beiden anderen Magnificat-Vertonungen auf kühle Distanz bedacht.

Eingerahmt wurden die drei Magnificat-Kompositionen von den Kantaten Nr. vier und sechs des Bach’schen Weihnachtsoratoriums. Gelegenheit für die Blechbläser (Hörner in Nr, 4, Trompeten in Nr. 6) zu glänzen. Und für den Chor, seine Klangstärke (bis auf den Beginn des „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“) zu zeigen. Abstriche gab’s bei den zu schnell genommenen Arien „Nur ein Wink“ und „Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken“. Letztere führte den jungen Tenor Kai-Ingo Rudolph an seine Grenzen.

Langer, freundlicher Beifall.

Von Werner Fritsch

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