Überzeugender Gitarrenabend mit Christopher Brandt

+
Mit ruhiger Hand: Gitarrenprofessor Christopher Brandt vor der Erlöserkirche.

Kassel. Gitarrenabende rangieren eher am Rande des klassischen Musikbetriebs. Doch kann man bei solchen Konzerten Entdeckungen machen, die die Vielfalt des Instruments beweisen. So war es auch am Montagabend beim ersten Meisterkonzert des Harleshäuser Musikfestes in der Erlöserkirche.

Zu Gast war Christopher Brandt, Professor an der Frankfurter Hochschule für Musik und erfahrener Konzertgitarrist. Mit ruhiger Hand und großer Gelassenheit steuerte er durch die Werkfolge, die von John Dowland (einer wunderschönen Fantasie zu Beginn) bis in die Gegenwart reichte.

Bei Johann Sebastian Bachs Lautensuite BWV 997 war erstmals größeres technisches Können gefragt, besonders in der langen Fuge und in der abschließenden Gigue. Auch die c-Moll-Fantasie des Spaniers Fernando Sor stellt herausfordernde Ansprüche.

So richtig schwierig wurde es dann nach der Pause. In einer ohne Unterbrechung gespielten Reihe von fünf Kompositionen türmten sich die Vertracktheiten nur so. Für Brandt kein Anlass, unruhig zu werden. Der Schweiß auf der Stirn war der Jahreszeit zuzuschreiben. Nur eine kleine Ruheinsel gab es bei diesem gitarristischen Fünfsprung: „Asturias“ von Isaac Albéniz, Inbegriff der Musik für das sechssaitige Instrument - und doch im Ursprung ein Klavierstück.

Bei drei der Werke trat der Flötist Jens Josef hinzu, darunter einem eigenen: „Tango der Schatten“, wilden Assoziationen über Orpheus’ Weg aus der Unterwelt. Brandt hatte schon einen Ländler aus eigener Feder vorgelegt, vor dessen schrillen Flötentönen er sogar warnen wollte. Am Schluss dann ein Gang in Nachtclub und Bordell: mit zwei der Tangos nuevos des Argentiniers Astor Piazzolla. Und als zweite Zugabe erklang dann nochmals „alte“ Musik: eine sentimentgesättigte Romanze von Niccolò Paganini, schöner Abschluss eines besonderen Konzerts, das knapp sechzig Zuhörer erlebten und eifrig beklatschten.

Von Johannes Mundry

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.