Werke von Francis Poulenc und Giacomo Puccini in der Martinskirche

Kantorei Kirchditmold: Üppiges Schwelgen und Singen

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Sang die Sopransoli in Poulencs „Gloria“ mit passendem Sentiment: Sopranistin Traudl Schmaderer.

Kassel. Wenn Kirchenchöre einmal die Klavierauszüge der großen drei, Bach, Händel und Mozart, liegenlassen, ist das oft ein Risiko. Kein künstlerisches, sondern ein finanzielles, denn man kann nicht von vornherein mit einer vollen Kirche rechnen.

Das Experiment, beim Konzert der Kantorei Kirchditmold am Sonntagnachmittag in der Martinskirche gleich zwei weniger bekannte Werke aus Frankreich und Italien aufs Programm zu setzen, gelang jedoch. Die Kirche war sehr gut gefüllt, und sowohl das „Gloria“ von Francis Poulenc als auch die „Messa di gloria“ von Giacomo Puccini gefielen den aufgeschlossenen Zuhörern.

Das „Gloria“ des Franzosen ist ein Spätwerk klassizistischer Prägung, stark rhythmisch bestimmt und mit wunderschönen, langsamen Sopransoli versehen, die Traudl Schmaderer ruhig und mit dem passenden Sentiment sang.

Puccinis Messe atmet einen anderen Geist. Es ist ein ungeschliffenes Frühwerk. Seinen Verdi hat der junge Komponist, der 1880 noch keine Oper geschaffen hatte, gut studiert, was man an vielen Stellen hört. Nicht immer passt die Musik zum Text, das wurde schnell hörbar. Für den fast hundert Stimmen starken Chor aus Kirchditmold (darunter viele Jugendliche) war das 50-Minuten-Werk eine dankbare Aufgabe, gab es doch üppige Gelegenheit zum Schwelgen und zum unbeschwerten Aussingen („Gloria“).

Michael Gerisch hatte beide Stücke, bei denen ihm ein aufmerksames Ad-hoc-Orchester zur Hand war, sehr gut im Griff. Vor allem bei Puccini widerstand er der Versuchung, die vorhandene Stimmfülle ganz auszuspielen. Die Sängerinnen und Sänger folgten sehr konzentriert dem exakten Dirigat ihres Kantors. Er gliederte das merkwürdige Stück, dessen Schöpfer irgendwo zwischen Azubi und Genie zu verorten ist, sehr nachvollziehbar. Nur ganz selten, so in der Fuge „Cum sancto spiritu“, klapperte es ein wenig.

Johannes An (Tenor) und Stefan Adam (Bass) steuerten mit schönem Gestus ausladend ausgesungene Soli bei.

Von Johannes Mundry

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