ZDF, Montag, 22.15 Uhr

Umstrittener Ekel-Hit "Feuchtgebiete" im TV: Pro und Kontra

Die 18-jährige Helen (Carla Juri) hat keine Angst vor öffentlichen Toiletten: Auch sonst ist die junge Frau im Film „Feuchtgebiete“ nicht gerade zimperlich, wenn es um Körperausscheidungen jeglicher Art geht. Foto:  zdf

Das Buch wurde ein großer Skandal. Platte Provokation und Pornografie riefen die, denen es nicht gefiel. 

Erfrischendes Erzählen, Tabulosigkeit, neuer Feminismus sagten etwas leiser die, die es mochten. Jetzt kommt Charlotte Roches millionenfach verkauftes Buch „Feuchtgebiete“ (2008) erstmals ins Fernsehen. Eigentlich galt das Buch als unverfilmbar, Kritiker befürchteten einen Ekel-Porno. Und Regisseur David Wnendt lässt auch kaum eine der Skandalszenen aus, mit denen das Buch für Aufregung sorgte. Immer wieder zeigt er die 18-jährige Helen (Carla Juri) nackt oder mit diversen Körperausscheidungen spielend. Zum Beispiel beim Tampon-Tausch mit der besten Freundin, bei der Masturbation mit Gemüse oder bei einer Hämorrhoidenbehandlung. Das brachte dem Film die Freigabe erst ab 16 Jahren ein.

Sollte man sich „Feuchtgebiete“ ansehen?

Pro: Manifest für Natürlichkeit

Provokante Perversion – anders lässt sich die heiß diskutierte Romanvorlage von „Feuchtgebiete“ nicht beschreiben. Eindrucksvoller als das Buch schafft es hingegen der Film, den pikanten Inhalt sinnvoll zu gliedern und ihn mit der nötigen Würze auf den Punkt zu bringen.

Jasmin Paul (28), Volontärin, ist von der bildgewaltigen Umsetzung fasziniert

Dank bildgewaltiger Inszenierungen und ungewöhnlicher Kameraperspektiven glaubt der Zuschauer, selbst im Bahnhofsklo durch Urinpfützen zu stapfen und den beißenden Schweißgeruch in der aufgeheizten U-Bahn zu riechen. Der Balanceakt zwischen Ekel und Scham, Mitgefühl und Erregung ist geglückt.

„Feuchtgebiete“ wird zu einem Manifest, dass man sich für die eigene Natur nicht zu schämen braucht. Die Botschaft: Frauenkörper sind keine Problemzone, die ständig geduscht und getrimmt werden muss. All das vermittelt Hauptdarstellerin Carla Juri naiv-unschuldig, aber zugleich auch ein klein wenig psychotisch.

Kontra: Austesten von Ekelgrenzen

Viktoria Fischer (31), Volontärin, hält nichts vom Ekeln um des Ekelns willen

Dschungelcamp-Exhibitionismus und Sexeskapaden im „Big Brother“-Container sind der reinste Kindergarten gegen „Feuchtgebiete“. Die Tragikomödie zeigt wirklich alles – bis ins winzigste Detail: Von Hauptfigur Helen, wie sie auf einer öffentlichen Toilette mit ihren intimsten Köperteilen herumrutscht, um die Bakterien Fremder aufzuwischen bis hin zu Sperma-bespritzter Pizza. Und das sind nur ein paar pikante Szenen auf einer langen Liste.

Wer bei „Feuchtgebiete“ einen sehenswerten Mini-Porno erwartet, braucht den Fernseher gar nicht erst einzuschalten. Auch für einen entspannteren Umgang mit dem eigenen Körper und Sexualität tut der Film herzlich wenig. Stattdessen bilden Fäkalien, Menstruationsblut und andere Körperflüssigkeiten den Kern des Films. Wer also seine persönlichen Ekelgrenzen austesten möchte, ist hier goldrichtig. Alle anderen sollten wegschauen.

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