Unausgereifter Seelenstrip: Das neue Album von Xavier Naidoo

Sein neues Album ist ein musikalischer Schnellschuss: Der Mannheimer Soulmusiker Xavier Naidoo. Foto: Alexander Laljak

Deutschlands Soulstimme Nummer eins meldet sich mit seinemfünften Studioalbum zurück. Nachdem Xavier Naidoo im vergangenen Jahr mit dem Rapper Kool Savas als „Xavas“ die Charts stürmte, legt der Sohn Mannheims mit „Bei meiner Seele“ ein experimentierfreudiges und musikalisch offenes Album vor.

Statt herzzerreißender Balladen, wie man sie aus dem Hause Naidoo gewohnt ist, zeigt der 41-Jährige erstmals eine neue Seite an sich: Die 13 Songs bestechen durch eine ungewöhnliche Offenheit und geben Einblick in das Privatleben des Superstars, der in seiner Karriere mehr als 4,5 Millionen Platten verkaufte.

Aus musikalischer Sicht ist Naidoos neues Album hingegen eine volle Enttäuschung. Singles mit Hitpotenzial wie „Dieser Weg“, „Ich kenne nichts“ und „Nicht von dieser Welt“ sucht man auf „Bei meiner Seele“ vergebens. Der größte Ausfall ist eine Coverversion des Ärzte-Songs „Junge“, der von Naidoo ohne jegliche Punk-Attitüde, dafür mit Gefühl und ruhiger Melodie vorgetragen wird.

Leider will das nicht richtig funktionieren, da es dem Song, in dem es um jugendliche Rebellion und die als Spießigkeit wahrgenommenen Sorgen der Eltern geht, an Kraft fehlt. Beim ersten Hören stellt sich durchaus die Frage, ob das eine Parodie auf Heino sein soll. Der vor kurzem zum Rocker mutierte Schlagersänger coverte „Junge“ ebenfalls - und zwar um Längen besser als Naidoo, der sich als Jury-Mitglied der Casting-Show „The Voice of Germany“ den Spitznamen „Doktor Ton“ zugelegt hat. Auf „Autonarr“ schwärmt der nach schweren Motoren verrückte Sänger von seiner Leidenschaft für schnelle und schnittige Flitzer.

Interessant ist der Titelsong des Albums, der gleich in zwei verschiedenen Versionen auf dem Album vorhanden ist: eine Uptempo-Nummer, die nach vorn geht und mit harmonischen Streichersamples für Tanzbarkeit sorgt und im Kontrast dazu eine langsame und gefühlsbetontere Version.

Auf dem Reggae-lastigen „Hört Hört“ reflektiert der 41-Jährige seine Karriere („Meine Stimme hat manche betört, meine Worte haben viele verstört“). Für „Deine Last“ hat sich der bekennende HipHop-Fan den befreundeten Rapper Moses Pelham ins Studio geholt, mit dem er über die Fähigkeit des Loslassens sinniert.

Insgesamt wirkt die Platte ziemlich unausgereift und heterogen, was vermutlich am schnellen Entstehungsprozess liegt. Laut Xavier Naidoo, der im vergangenen Herbst überraschend geheiratet hat, sind die neuen Songs für „Bei meiner Seele“ zu Beginn des Jahres in einem kreativen Schub innerhalb von zwei Nächten entstanden, was man dem Album leider anhört.

Xavier Naidoo: Bei meiner Seele (Naidoo Records). Wertung: zwei von fünf Sternen

Von Daniel Göbel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.