Klaus Voormann wäre fast ein Beatle geworden, nun ist der Bassist wieder für einen Grammy nominiert

Die unbekannte Rocklegende

Am liebsten wäre Klaus Voormann auch diesmal zuhause am Starnberger See geblieben. Der deutsche Bassist, der einst um ein Haar Mitglied der Beatles geworden wäre, ist zum dritten Mal für einen Grammy nominiert, und am Sonntag wird er tatsächlich im Staples Center in Los Angeles sitzen, wenn er womöglich den US-Musikpreis für seine CD „A Sideman’s Journey“ in der Kategorie „Deluxe-Version eines Albums“ bekommt.

Wohl fühlen wird er sich im Scheinwerferlicht aber nicht. So ist der 72-Jährige. Wahrscheinlich hat kein anderer Deutscher so viel Rockgeschichte geschrieben wie Voormann, trotzdem ist er ein unbekannter Star im Schatten anderer geblieben.

1960 lernte der gebürtige Berliner die Beatles kennen, als die in einem Kellerclub an der Hamburger Reeperbahn ihre ersten Konzerte gaben. Voormann jammte mit den Fab Four, und als der Bassist Stuart Sutcliffe die Band 1961 verließ, fragte er John Lennon, ob er dessen Nachfolger werden könne. Aber da hatte sich Paul McCartney, der bis dahin Gitarrist war, schon einen Bass gekauft.

Dafür gestaltete der Grafiker das Cover des Beatles-Albums „Revolver“, wofür er einen Grammy bekam. Er lebte mit George Harrison und Ringo Starr in einer Londoner WG, spielte mit John und Yoko Ono in der Plastic Ono Band und arbeitete mit Bob Dylan, Phil Spector und Lou Reed zusammen. Heute sind seine Kollegen von einst weiter Weltstars, Voormann lebt mit seiner Frau und zwei Kindern zurückgezogen im Voralpenland.

Als er vor zwei Jahren sein Album „A Sideman’s Journey“ aufnehmen wollte, schrieb er seinem Kumpel Paul McCartney eine E-Mail, der Ex-Beatle rief später zurück, und dann spielten sie die Songs gemeinsam ein. Der Erlös kam den Ogalala-Dakota-Indianern zugute, deren Reservate mit Giftstoffen verseucht sind.

Reich ist Voormann als gefragter Sessionmusiker nicht geworden. „Ich hätte Songs schreiben sollen. Das war mein großer Fehler“, sagte er uns im vergangenen Jahr im Interview. Er dachte, er sei nicht gut genug. Dafür gestaltete er mehr als 100 Platten-Cover. Und als Produzent von Trio landete er mit „Da, Da, Da“ 1982 einen Riesenhit.

Bei der Preisverleihung in Los Angeles wird Voormann neben Stars wie Mick Jagger, Lady Gaga und Eminem nur eine Randfigur sein, aber eine weitere Auszeichnung würde er natürlich gern mit nach Hause nehmen. Der zweite Grammy, den er 1973 als Bassist in der Band von George Harrison für die Live-Platte „Concert For Bangladesh“ erhielt, ist ihm vor Jahren kaputt gegangen.

Pro 7 überträgt die Grammy-Verleihung in der Nacht zu Montag ab 2 Uhr.

Von Matthias Lohr

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