Eine würdige Passionsmusik mit geistlichem Tiefgang in Kaufungen - „Le Crucifix“ und als Hauptstück „Via crucis“

Die unbekannte Seite des Tastenlöwen Liszt

Kaufungen. Passion einmal anders in Kaufungen. Keins der großen Oratorien gab es am Palmsonntag, sondern Stücke des Jahresjubilars Franz Liszt (200. Geburtstag, 125. Todestag) in Kombination mit zwei Motetten von Rolf Schweizer und der von Angelika Großwiele eindrucksvoll gespielten Fantasie und Fuge BWV 537 von Johann Sebastian Bach.

Die beiden im Abstand von fast 40 Jahren entstandenen A-cappella-Motetten des badischen Komponisten und Chorleiters Rolf Schweizer, der kürzlich 75 Jahre alt wurde, zeigen die individuelle Tonsprache eines Praktikers, weit entfernt von der Moderne, aber ebenso weit von bloßer Imitation vergangener Musik. Die Kaufunger Kantorei unter der Leitung von Martin Baumann, der Assistent Schweizers in Pforzheim war, sang vorzüglich, gut abgemischt und von beachtlicher Geschlossenheit.

Franz Liszts geistliches Vokalwerk ist bei Weitem nicht so bekannt wie seine Klavierwerke und Symphonischen Dichtungen. Die beiden für das Kaufunger Konzert ausgewählten Werke zeigen eine ganz andere Seite des „Tastenlöwen“, der seinerzeit ein solch großer Mythos war, dass die Damen nach Luft schnappten oder sogar in Ohnmacht fielen, wenn er auftrat. Zurückgenommen, ja verinnerlicht gibt sich „Le Crucifix“ für Alt (sicher und mit gut angepasster Diktion: Isabell Großmann) und Orgel.

Abschluss und Hauptstück war Liszts „Via crucis“, das, zumal im Liszt-Jahr 2011, relativ häufig aufgeführt wird. Nach einem Prolog sind 14 Kreuzwegstationen für Chor, zwei Solisten (Isabell Großmann und Helmut Weckesser) und Orgel (Angelika Großwiele) musikalisch gestaltet und erzeugen eine meditative Stimmung ohne äußere Effekte. Die Aufgaben des Chor sind gut zu bewältigen, und die Kantorei stand dementsprechend über dem Geschehen, sodass das Konzert eine würdige Passionsmusik mit geistlichem Tiefgang wurde, die leider kaum mehr Zuhörer erleben wollten, als der Chor Sänger hat.

Von Johannes Mundry

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