„Und sie bewegt sich doch“

„Und sie bewegt sich doch“: Vor 450 Jahren wurde Galileo Galilei geboren

Alle kreisen um die Sonne: Montage der Planeten Erde, Mond, Venus, Mars, Merkur, Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus. Foto: dpa/Nasa

Vor 450 Jahren ging im toskanischen Pisa ein Stern der Wissenschaft auf. Dort wurde am 15. Februar 1564 Galileo Galilei geboren. Aus ihm sollte einer der bedeutendsten Astronomen, Mathematiker, Physiker und Philosophen werden.

Seine Erfindungen und Entdeckungen waren teilweise revolutionär, doch der Vatikan stempelte ihn zum Ketzer - und brauchte dann Jahrhunderte, um diesen bösen Irrtum auszumerzen. Heute verbeugt sich Europa vor seinem großen Pionier: Es nennt sein Milliarden-Großprojekt der Satellitennavigation „Galileo“.

Der Begründer der modernen, auf Experimenten beruhenden Physik widmet sich bereits als Student den Gesetzen der Pendelschwingungen, untersucht die Fallgesetze und erfindet die hydrostatische Waage für die spezifischen Gewichte. Im Alter von 28 Jahren wird der hochbegabte Toskaner in Padua Professor, entdeckt mit einem von ihm verbesserten Fernrohr Mondberge und die Phasen der Venus.

Ein Meilenstein ist seine Erkenntnis, dass unzählige Sterne die Milchstraße bilden. Nebenbei erfindet er auch viel Kurioses, etwa einen automatischen Tomatenpflücker. 1615, als er bereits fünf Jahre in Florenz tätig ist, beginnt sein Konflikt mit dem Vatikan. Sein Hauptwerk sollte der „Dialog über die zwei großen Weltsysteme“ sein. Galilei schafft es mit seinem intensiven Blick ins Sonnensystem wissenschaftlich zu beweisen, was von Nikolaus Kopernikus bereits 1514 als Theorie aufgestellt worden ist: Die Sonne ist der Stern unseres Systems, um den alle Planeten kreisen, also auch die Erde.

Das heliozentrische (sonnenzentrierte) Weltbild scheint gegen die Bibel zu stehen. Das päpstliche Inquisitionsgericht verurteilt seine Abkehr vom ptolemäischen Weltbild, wonach die Erde Mittelpunkt des Universums ist, als Irrtum. Es verbietet Galilei die Verbreitung und setzt die Kopernikus-Schrift auf den Index.

Brachte die Erde in Bewegung: Der Astronom Galileo Galilei (1564- 1642) in einem Porträt von Justus Sustermans von 1636. Foto: dpa

Doch der toskanische Astronom lässt nicht locker, studiert das Sonnensystem weiter und landet so zu einem entscheidenden Showdown vor Gericht. Das zweite Mal bringen die Jesuiten den aufmüpfigen Gelehrten vor die vatikanische Justiz. 1633 urteilt das Inquisitionsgericht, er müsse abschwören. Offen ist, ob Galilei, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die ihm abgetrotzte Abschwörung wirklich mit dem weltbekannten Spruch „Eppur si muove“ quittiert hat: „Und sie (die Erde) bewegt sich doch!“.

Immerhin ist Papst Urban gnädig genug, die Haftstrafe in Hausarrest umzuwandeln: Der ketzerische Wissenschaftler wird auf seinen Landsitz in Arcetri bei Florenz verbannt. Neun Jahre später, am 8. Januar 1642, stirbt der erblindete Wissenschaftler im Alter von 77 Jahren.

Und der Vatikan? Mehr als 350 Jahre mussten vergehen, bis die katholische Kirche mit Galilei 1992 ihren Frieden machen konnte. „Merkwürdigerweise zeigte sich Galilei als aufrichtig Glaubender weitsichtiger als seine theologischen Gegner“, bemerkte Papst Johannes Paul II. in einer historischen Wiedergutmachungsrede am 31. Oktober 1992. (dpa)

Von Jochen Kaffsack

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