Umjubelter Liederabend am Staatstheater über die vier Elemente

Undine trifft Apfelmann

Intime Atmosphäre: Daniel Scholz (vorn) und Agnes Mann, Björn Bonn und Christina Weiser (hinten, von links). Foto: Klinger

Kassel. Am Ende war es wie bei einem echten Rockkonzert. Das Publikum wollte die Band einfach nicht von der Bühne lassen, klatschte und trampelte, forderte immer mehr Zugaben. „Ich will eure Hände sehen“, verlangte Björn Bonn folgerichtig in gespielter Rockstarpose.

„Undine / A Night With ,The Elements’“ heißt der 90-minütige Liederabend des Staatstheaters, der bei der ausverkauften Premiere am Samstag im tif gefeiert wurde. Musiker Dirk Raulf hat ihn entwickelt, das faszinierende Meereswesen Undine steht in der Endfassung allerdings nicht mehr im Zentrum des Abends.

Vielmehr entrollt sich eine abwechslungsreiche Liederfolge zu Wind, Feuer, Erde und Wasser - unter leichter Dominanz der von Agnes Mann dargestellten Wasserfrau und des feuchten Elements, dem mit beleuchteten Plastiksäcken, die von der Decke hängen und einem kurzem Regenguss besonders gehuldigt wird (Bühne und Kostüme: Maite Lozano und Sibylle Pfeiffer). Die zerschlissenen Teppiche, das Sofa und die vier Barhocker in der Bühnenmitte wecken dann aber mehr die Assoziation von Probenkeller. The Elements sollen schließlich eine Band sein. Es herrscht eine spielerische, wunderbar intime Atmosphäre, abwechselnd greift man zum Mikrofon, pusht die Stimmung mal in euphorische Höhen, drückt sie mal in die Verzweiflung.

Von Schubert bis Rammstein, von den Rolling Stones bis Alexandra reicht die Liedauswahl, die von Dirk Raulf an diversen Instrumenten - bis hin zum Geigenbogen, der über den Flügelkorpus streicht - und Thorsten Drücker an der Gitarre begleitet wird.

Agnes Mann zog mit enormer Wandlungsfähigkeit alle Stimmregister von France Galls mädchenhaft-kokettem „Haifischbaby“ über die charismatische Pop-Verführung mit Madonnas „Swim“ zur todtraurigen „Ballade vom ertrunkenen Mädchen“ von Brecht/ Weill. Begeisterte Lacher bekam sie für ihre ironisch-pompös vorgetragene Version des Teeniekreischers „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel.

Ein ätherisches Wesen war Christina Weisers Windfrau, die ihre Titel wie „Wind Chimes“ von den Beach Boys von Sehnsucht durchwehen ließ. Erdgestalt Daniel Scholz machte den „Apfelmann“ von Blumfeld unwiderstehlich - Prinz Charming zwischen Gravensteiner und Jonagold.

Und Björn Bonn ließ als Feuermann in Lederhose die Energieblitze krachen. Rammsteins „Benzin“ zelebrierte er als dämonischen Dröhner, bei Georg Kreislers Hochgeschwindigkeits-Stück „Als der Zirkus in Flammen stand“ spannte er den giftigen Erzählbogen fast bis zum Zerreißen.

Stimmliche Grenzen des Ensembles wurden allenfalls bei den Chorliedern von Brahms und Schubert deutlich, einen Titel wie „Stella Maris“ präsentierten The Elements aber puristischer und damit sogar poetischer als die Einstürzenden Neubauten im Original.

Wieder am 25., 30.11., Karten: 0561-1094-222.

Von Bettina Fraschke

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