Drei Konzerte der Arolser Barock-Festspiele waren dem Barock-Heroen gewidmet

Unerschöpflicher Bach

Konzertante Musik von Johann Sebastian Bach: Das Ensemble Fontana di Musica spielte im Christian Daniel Rauch-Museum. Foto: Wüllner

BAD AROLSEN. Es ist ein schwärmerisch-tiefsinniges Wort: „Nicht Bach - Meer sollte er heißen“, soll Beethoven über Johann Sebastian Bach (1685-1750) gesagt haben. Unerschöpflich reich ist Bachs Musik - wie am Donnerstag bei den Arolser Barock-Festspielen zu erleben war.

Vom aufregenden Violin-solo bis zur ergreifenden Kantate, vom Musikernachwuchs bis zum Echo-Klassik-Preisträger reichte das Spektrum des sehr gut besuchten Konzerttags. Den erfrischenden Auftakt machte im Christian Daniel Rauch-Museum die Matinee junger Künstler.

Das zehnköpfige Ensemble Fontana di Musica spielte die Brandenburgischen Konzerte Nr. 4 und 5, das Doppelkonzert BWV 1060 sowie eine Suite von Telemann. Dabei fielen die Ensemblegründer Elisabeth Wirth (Blockflöte), Christian Handschke (Violine) und Elina Albach (Cembalo) durch Können und Temperament auf.

Ein besonderes Talent: die 22-jährige Berlinerin Elisabeth Wirth, die am Mozarteum Salzburg bei der Arolser Festspielleiterin Dorothee Oberlinger studiert. Etwas von der mitreißenden Expressivität des Blockflötenstars kann man auch in Wirths Spiel erkennen - äußerst vielversprechend.

Eine arrivierte Künstlerin gastierte dann in der Schlosskapelle. Die französische Geigerin Hélène Schmitt setzte Violinwerke Bachs wie die Partita d-moll in Kontrast mit Soli von Nicola Matteis und Giuseppe Tartini. Mit kleinteiliger Rhetorik geigte sie extravagant auf, zuweilen ziemlich ruppig. Das überzeugte bei Tartini mehr als bei Bach, denn die vielen Details zerstückelten die große Linie.

Harmonischer ging es beim krönenden Abendkonzert in der evangelischen Stadtkirche zu. Unter der Leitung des Echo-Preisträgers Christoph Spering musizierten die vier Sänger des Chorus Musicus Köln und Das Neue Orchester drei Bach-Kantaten. Da spürte man den metaphysischen Schauer, etwa beim Choral „Komm, o Tod, du Schlafes Bruder“ in der Kantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“.

Ausgezeichnete Solisten für Oboe (Michael Niesemann) und Traversflöte (Michael Schmidt-Casdorff) machten Eindruck - sowie wunderbare Sänger. Neben dem mehrfach preisgekrönten Bariton Thomas E. Bauer glänzte die Sopranistin Hannah Morrison, von der man gewiss noch viel hören wird, mit einer glockenklaren Stimme.

Annähernd 650 Zuhörer besuchten die drei Konzerte, hinzu kamen 400 Gäste bei der Tanzaufführung der Musikschule Bad Arolsen im Rahmen der Barock-Festspiele. Ebenso erfreulich: Wieder gab es in der Pause des Abendkonzerts den traditionellen Imbiss, zu dem der Verein Handel, Handwerk & Gewerbe geladen hatte.

Die Arolser Barock-Festspielkonzerte gehen heute, 20.30 Uhr, mit dem Abschlusskonzert zu Ende (ausverkauft). Am Sonntag, 10 Uhr, folgt ein musikalischer Gottesdienst (ev. Stadtkirche), danach Künstler-Open-Air und verkaufsoffener Sonntag in der Innenstadt.

Von Georg Pepl

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