„Unfassbar gute Musik“: Cellist Thomas Schmitz über Stilfragen

Kassel. Konzerte renommierter Streichquartette haben Tradition bei den Kasseler Musiktagen. In diesem Jahr sind speziell jüngere Quartette eingeladen worden. Wir sprachen mit dem Cellisten des Signum-Quartetts, Thomas Schmitz, über unterschiedliche Zugänge zur klassischen Musik.

Herr Schmitz, die Kasseler Musiktage stellen „Junge Kunst und große Meister“ vor. Haben junge Musiker einen spezifischen Zugang zur Klassik?

Thomas Schmitz: Das finde ich unbedingt. Musik hat immer auch mit dem Entwickeln von etwas Neuem zu tun. Unsere Generation kann durch die Medien wahnsinnig viele Einflüsse aufnehmen. Das war früher nicht der Fall. Wenn man nicht blind ist, kommt man nicht umhin, anders zu spielen als frühere Generationen.

Wie arbeiten Sie musikalisch? Geht es im Quartett um einen besonderen Ensemblestil, oder passen Sie sich dem jeweiligen Zeitstil der Stücke an?

Schmitz: Wir setzen uns mit vielfältigen Stilen auseinander und versuchen, sie unterschiedlich klingen zu lassen. Eigentlich wollen wir in jedem Stück ein wenig anders klingen. Natürlich will jedes Quartett auch etwas Unverwechselbares haben, aber je weiter man seinen Klang auffächern kann, desto besser.

Sie haben mit Brahms und Schostakowitsch die beiden Hauptkomponisten der Musiktage im Programm. Sehen Sie Zusammenhänge zwischen den beiden?

Schmitz: Es gibt Verbindungslinien. Schostakowitsch geht für seine Zeit von konservativen musikalischen Mitteln aus. Das Ergebnis ist neu, doch wie er beispielsweise mit Motiven arbeitet, wäre ohne Beethoven und Brahms nicht denkbar.

Sehen Sie auch Verbindungen im Ausdruck?

Schmitz: Die Expressivität von Brahms findet sich bei Schostakowitsch unbedingt wieder. Aber in seinen Quartetten findet sich viel Düsternis, und seine Scherze sind bitter ironische Scherze, die weh tun können. Das hätte sich Brahms so nie getraut. Ich will aber betonen, dass Schostakowitschs zwei Stücke für für Streichquartett, die wir spielen, Bearbeitungen sind, die mit seinen übrigen 15 Streichquartetten nicht viel zu tun haben.

Von Brahms spielen Sie das Klarinettenquintett mit dem Klarinettisten Fabio di Casola. Arbeiten sie oft mit Bläsern zusammen?

Schmitz: Nein, nicht oft, und wenn, dann am liebsten mit Klarinettisten. Die Klarinette passt am besten zum Streichquartett. Und das Quintett von Brahms ist einfach unfassbar gute Musik. Es ist fantastisch, dieses Werk mit Fabio di Casola zu spielen.

Wie passt dazu Mozart, den Sie mit ins Programm genommen haben?

Schmitz: Ich finde Programme interessant, die viele Facetten des Streichquartetts zeigen und verschiedene Epochen umfassen. Mozarts F-Dur-Quartett (KV 590) ist ein tolles Gegengewicht zu Brahms. Es kommt unbeschwert und fast harmlos daher, ist aber ungeheuer dicht und großartig komponiert.

Kasseler Musiktage, Donnerstag, 20 Uhr, Ständesaal. Karten: Tel. 0561/ 203-204.

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