Ulla Meinecke las und sang im Theaterstübchen

Ungerechte Liebe

Kurzweilig und spritzig: Ulla Meinecke las aus ihrem dritten Buch. Foto: Fischer

Kassel. Ulla Meinecke hat Spaß am Schreiben. Bei der Lesung aus ihrem dritten Buch „Ungerecht wie die Liebe“ im gut besuchten Theaterstübchen wirkte die Rockprinzessin aus den 80ern gut gelaunt und von ihrem Schaffen überzeugt. Mit den sechs Kurzgeschichten zum Thema Funktionsharmonik in der Beziehung zwischen Mann und Frau erfasst sie ansatzweise das Lebensgefühl einer mittlerweile etablierten und gealterten Woodstock-Generation.

Inhaltlich hält sie die Bälle flach, doch die in geschmeidige Prosa gegossene Erzählform weiß zu begeistern. Wie ein Mann auf einen Schlag seine Frau und seine Geliebte verliert, könnte man sich auch gut als Drehbuchvorlage einer intellektfreien Verfilmung mit Til Schweiger vorstellen. Dass dieses Szenario bei Meinecke nicht zur Plattitüden-Farce abrutscht, verdankt sie ihrer rasanten Kurventechnik beim Satzbau und bei der Wortwahl.

So auch die Geschichte eines enttäuschten Mittvierzigers und seiner Traumfrau, die sich in einem Internet-Kommunikationsportal kennen lernen. Der Austausch persönlicher Profilangaben mündet in einer exorbitanten Schummelorgie, an der beide zerbrechen und erst durch Ehrlichkeit wieder zueinanderfinden. Alles nicht neu, alles nicht anspruchsvoll, aber kurzweilig und spritzig vermittelt. Doch Ulla wäre nicht Meinecke, wenn sie nicht auch einige Songs mitgebracht hätte. Mit Ingo York an der elektrischen Gitarre gab es Neubearbeitungen alter Hits („Die Tänzerin“, „Wie tief kann man sehen“), doch leider wirkte manches etwas gehetzt und unausgereift. Vielleicht hätten eine akustische Gitarre und ruhigere Metren für mehr Atmosphäre gesorgt.

Dann gab es noch den Textwitz des Abends: Lieblingstier? Ein halbes Hähnchen ... Viel Applaus für eine charismatische Frau, die auf der Suche nach kreativer Erweiterung fündig geworden ist.

Von Andreas Köthe

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