Die unglaubliche Erfolgsgeschichte der Fuldaer Metalband Edguy

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Die unbekannteste Erfolgsbands Deutschlands: Der in Schwalmstadt lebende Bassist Tobias Exxel (von links), Jens Ludwig (Gitarre), Sänger Tobias Sammet, Felix Bohnke (Schlagzeug) und Dirk Sauer (Gitarre) sind Edguy. Foto: Juehr

Fulda. Über den einzigen Fehler, den Tobias Sammet mit seiner Metalband Edguy gemacht hat, kann der Sänger aus Fulda heute lachen. Er war 14, hatte sich mit einigen Freunden im Proberaum getroffen und suchte einen Namen für die neue Gruppe. Die Osthessen entschieden sich für Edguy - so nannten die Schüler am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ihren kultigen Physiklehrer, der mit Vornamen Edgar hieß.

„Wir wollten einen Namen haben, den noch keiner hatte. Dass der Name auch geil sein sollte, so weit hatten wir nicht gedacht damals“, sagt Sammet heute. Er ist jetzt 36 und Frontmann „der erfolgreichsten Metalband, die seit Anfang der 90er aus Deutschland hervorging“, wie die Plattenfirma stolz schreibt. Trotz ihres etwas behämmerten Namens haben Edguy mehr als zwei Millionen Tonträger verkauft und über 360 000 Facebook-Fans. Das Quintett ist in 39 Ländern aufgetreten und stand mit Stars wie Ozzy Osbourne und Alice Cooper auf der Bühne.

Edguy sind vielleicht die unbekannteste Erfolgsband Deutschlands und der Provinz bis heute treu geblieben. Sammet wohnt mit Frau und Tochter in der Nähe seiner Heimatstadt, Bassist Tobias Exxel kommt aus Schwalmstadt, die anderen leben in der Domstadt, wo das Aufwachsen als Metal-Fan „Fluch und Segen“ war, wie Sammet über die Band-Gründung 1992 sagt: „Niemand hat uns gezeigt, wie es geht. Wir mussten nur die Gitarren in die Hand nehmen und schon waren wir Helden.“ Es gab ja niemand anderen.

Mit ihrem Power-Metal setzen Edguy bis heute auf verzerrte Gitarren, ballernde Drums, Mitsing-Melodien und Sammets Sirenen-Stimme, die an Bruce Dickinson von Iron Maiden erinnert. Zudem haben die Musiker Humor, was in dem Genre nicht selbstverständlich ist. Auf ihrem neuen Album „Space Police - Defenders Of The Crown“ etwa covern sie Falcos „Rock Me Amadeus“ fast originalgetreu.

Nach dem Zivildienst hat Sammet alles auf die Musik gesetzt. Irgendwann meldete sich ein Rockmagazin aus Asien, um das Phänomen Edguy in Fulda zu ergründen. Da wusste er, dass er alles richtig gemacht hatte. „Unser Plan ist aufgegangen, weil wir nie einen Plan B hatten“, sagt der ehemalige Messdiener, der immer einen coolen Spruch parat hat. Nur einen coolen Namen will er jetzt nicht mehr suchen für seine Band, die Metal-Fans auf der ganzen Welt kennen.

Edguy: Space Police - Defenders Of The Crown (Nuclear Blast Records/Warner). Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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