Katharina Thalbach inszeniert Bertolt Brechts „Im Dickicht der Städte“ am Berliner Ensemble

Ein ungleicher Kampf hinter Masken

Sabin Tambrea als Garga

Berlin. Katharina Thalbach ist eine Erzkomödiantin, als Schauspielerin wie Regisseurin. Mit Brecht hat sie ihre Erfahrung. Jetzt hat sie im Brecht-Mutterhaus am Berliner Schiffbauerdamm sein ganz frühes „Im Dickicht der Städte“ inszeniert.

Brecht wollte einen unerklärlichen, wilden, um seiner selbst willen geführten Ringkampf zweier Männer zeigen: Der eine, Shlink, ein malaiischer Holzhändler, hat einen Gegner ausgespäht, Garga, Angestellter einer Leihbücherei. Thalbach, hatte man den Eindruck, will unbedingt Ordnung in die Angelegenheit bringen und eine Geschichte erzählen, die auch in der Nachmittags- oder Jugendvorstellung verständlich ist.

Thalbach versteckt die Figuren hinter eng anliegenden, wie geschminkt wirkenden Masken: eine Pistolen-Groteske mit putzigen armen Leutchen, Zuhältern und Huren. Von Dämonie keine Spur.

Der Kampf, der angeblich gekämpft wird, ist ungleich besetzt. Gustav Peter Wöhler ist schon durch sein mönchisches Nachthemdkostüm, Muff und Melone ein geschwächter, unnötig tänzelnder, zappelnder Shlink. Der junge Sabin Tambrea als Garga stakt und kräht wie ein Vogel und hat expressiven Atem.

Sicher kein verlorener Abend. Aber die existentiellen Motive, Einsamkeit, Isolation, der rauschhaft tödliche Vernichtungs- und Existenzkampf kommen mit Thalbachs Methode Niedlichkeit nicht zum Tragen.

Wieder am 7., 18., 25.11., Tel. 030/28408155, www.berliner-ensemble.de

Von Peter Hans Göpfert

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