Uni-Sinfonieorchester überzeugt mit Barber und Dvorak

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Dirigent und Solistin: Malte Steinsiek, Leiter des Uni-Orchesters, mit Stephanie Appelhans, die Barbers Violinkonzert spielte.

Kassel. Kein Orchestervorspiel - es geht sofort los für die Solistin in Samuel Barbers (1910-1981) Violinkonzert. Und Stephanie Appelhans ist von der ersten Note an sehr präsent.

Die 22-Jährige, die in Berlin studiert und bei mehreren Wettbewerben Preise einheimste, ist dem Kasseler Uni-Sinfonieorchester seit einiger Zeit als Geigerin verbunden. Nun war es an der Zeit, sie für das Semester-Abschlusskonzert am Donnerstag in der Friedenskirche als Solistin zu verpflichten.

Stephanie Appelhans überzeugt sogleich mit ihrem dunklen, tragenden Ton in den tiefen Passagen, mit denen Barber sein Konzert eröffnet. Gelassen, wie selbstverständlich übernimmt die Geigerin die Führung in dem schlicht-melodischen Satz - ohne zu forcieren oder in eine auftrumpfende Solistenattitüde zu verfallen.

Das Uni-Sinfonieorchester begleitet unter der Leitung von Malte Steinsiek aufmerksam und lässt bereits erahnen, zu welcher Kraftentfaltung es später bei der Dvorˇák-Sinfonie in der Lage sein wird.

Wunderbar lässt Appelhans im zweiten Satz, der etwas Filmmusik-Pathos verströmt, ihre Geige aussingen, um dann im Finale souverän die atemlose, Perpetuum-mobile-artige Bewegung aufzunehmen.

Mit der Sarabande aus der h-Moll-Partita von Johann Sebastian Bach bedankte sich Appelhans für den langen Beifall.

Dass sich das Uni-Sinfonieorchester an Werke wie Antonín Dvorˇáks achte Sinfonie wagen kann, verdankt es der systematischen Aufbauarbeit des Dirigenten Malte Steinsiek. Bei Dvorˇák ist nicht nur ein souveränes Zusammenspiel gefragt, sondern es stellen sich den einzelnen Musikern auch anspruchsvolle solistische Aufgaben.

Das Uni-Orchester bot eine mehr als ansprechende Interpretation, schon der erste Satz hatte Zug und war mitreißend gespielt - mit einem eindrucksvoll starken Orchestertutti. Im zweiten Satz entfalteten die Streicher einen homogenen, seidigen Klang, und auch die Holzbläser (Klarinetten!) setzten sich klangschön in Szene.

Der dritte Satz, dem Charakter nach ein melancholischer Walzer, bezauberte mit seiner etwas verhangenen Leichtigkeit und schönen Oboensoli. Das Finale, ein Orchesterkracher, wurde bis zur sich überschlagenden Stretta bravourös durchgezogen, wobei man den Celli bei ihrem schönen Thema noch etwas mehr Mut und Emphase gewünscht hätte.

Das Publikum in der voll besetzten Friedenskirche sparte am Ende des starken Konzertauftritts nicht mit Beifall.

Von Werner Fritsch

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