Das Museum Berggruen in Berlin hat einen Erweiterungsbau eröffnet

Uninspiriert umsortiert

Mehr Platz: Das Museum Berggruen (links) mit dem neuen Erweiterungsbau (Mitte). Foto:  SMB/nh

Berlin. Mit Spannung war sie erwartet worden, die Eröffnung des Erweiterungsgebäudes für das Museum Berggruen in Berlin. Welche Leihgaben würde die Familie des 2007 verstorbenen Kunstsammlers und Galeristen Heinz Berggruen machen, und wie würde der neue Skulpturengarten aussehen? Wie viel zusätzlicher Platz würde gewonnen, und wäre dies automatisch auch ein Gewinn für die Präsentation?

Die Antworten auf all diese Fragen fallen enttäuschend aus. Da ist zunächst der Skulpturengarten. Er besteht aus zwei „United Enemies“ von Thomas Schütte. Der Bildhauer und documenta-Künstler ist Zeitgenosse, seine wuchtigen Plastiken sind spektakulär und anspielungsreich. Mit der Sammlung Berggruen, die vorwiegend kleinformatige, filigrane Papier-Arbeiten von Picasso und Klee bereithält, haben diese Pappenheimer nichts zu tun.

Vor fast 20 Jahren war Berggruen in seine Heimat Berlin zurückgekehrt, die er als 20-Jähriger verlassen musste. Bis kurz vor seinem Tod wandelte er gerne durch „sein“ 1996 eröffnetes Museum, in dessen Dachgeschoss er auch wohnte. Die erste Hängung von ihm selbst war ein Ereignis, aber auch der Umbau gelungen. Wichtige Werke Cézannes und Vincent van Goghs, die der Sammler später wieder entfernte, fesselten das Auge.

Der neue Auftritt seiner Pretiosen Klassischer Moderne ist vergleichsweise unspektakulär und monoton. Die Umbauten im verwinkelten Erweiterungshaus durch das Architekturbüro Kuehn Malvezzi sind unzureichend. Im Stülerbau gegenüber dem Charlottenburger Schloss, wo früher rund 160 Werke Platz fanden, residiert nun Picasso weitgehend allein, während Paul Klee in die Zellen des Erweiterungsgebäudes verbannt ist.

Den erreicht man durch einen gläsernen Übergang vom Haupthaus aus. Insgesamt ergibt sich der Eindruck einer quantitativen Anhäufung ähnlicher Arbeiten und nicht der einer qualitativen Verbesserung im Zuge einer sinnvollen Auswahl. Zwei Dutzend Leihgaben sind hinzugekommen.

Die neuen Ölbilder lassen sich an einer Hand abzählen, Picassos „Frauen von Algier (Version L)“ etwa und Klees „Pflanze und Fenster Stillleben“ (1927). Highlights sind die Bilder, die bereits vor der Wiedereröffnung durch das Land Berlin erworben wurden. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hatte im Jahr 2000 dem früheren Kunsthändler Berggruen 165 Werke für einen dreistelligen Millionen-DM-Betrag abgekauft – Arbeiten auf Papier zumeist.

Nichts gegen Zeichnungen, aber Blickfänge sind die Ölbilder, die damals in den Besitz der Nationalgalerie übergingen: „Dora Maar mit grünen Fingernägeln“ (1936) und „Der gelbe Pullover“ (1939), einzelne Giacometti-Bronzen sowie Klees Aquarelle „Ein Kinderspiel“ (1939) und „Frau R. auf Reisen im Süden“ (1924). Früher nah beieinander, marschieren die Künstler nun weitgehend getrennt in chronologischer Hängung. Einziger Lichtblick in dieser espritarmen Anordnung ist eine witzige Leihgabe der Familie Berggruen von Raoul Dufy.

Von Andrea Hilgenstock

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