Neu im Kino: Spritzige Dialoge in Ralf Westhoffs Film

Ein unmögliches Paar in „Der letzte schöne Herbsttag“

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Karotten können anziehend sein: Claire (Julia Koschitz) und Leo (Felix Hellmann) auf einem Kostümfest.

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen, das haben schon die Altmeister Loriot und Woody Allen eindrucksvoll bewiesen. Nun tritt Regisseur Ralf Westhoff („Shoppen“) mit „Der letzte schöne Herbsttag“ den Beweis an, dass sich daran im 21. Jahrhundert nicht viel geändert hat. Aber irgendwie müssen sich die Geschlechter ja dann doch zusammenraufen.

Leo (Felix Hellmann) und Claire (Julia Koschitz) sprechen direkt in die Kamera und antworten auf Fragen, die ungehört bleiben. Sie reden einzeln über ihre Beziehung, über das Kennenlernen, das Kribbeln, die zunehmenden Macken des anderen. Und über die Trennung. Was der eine vom anderen denkt, ist interessant. Was sie denken, dass es der andere denkt, noch interessanter. Oft stehen sich Selbstwahrnehmung und Beurteilung durch den Partner diametral gegenüber. Es wird auch völlig subjektiv sein, für wen der Zuschauer letztendlich Partei ergreift.

Natürlich bleibt es nicht bei den Monologen, damit das Ganze nicht eintönig wird. Trotzdem sind es diese wunderbaren Interviews, von denen der Film lebt. Am Ende scheint eines festzustehen: Dieses Paar ist einfach viel zu unterschiedlich, als dass es je eine Chance gehabt hätte.

Regisseur und Autor Westhoff verfügt über eine seltene Gabe. Der Münchner kann gehaltvolle und spritzige Dialoge (respektive Monologe) schreiben, die weder aufgesetzt noch gestelzt wirken. Wenn man die richtigen Schauspieler findet, denen viel Text flüssig über die Lippen geht, ist der kleine, kluge Ausnahmefilm in trockenen Tüchern. Julia Koschitz und Felix Hellmann haben diese Qualität bereits in „Shoppen“ bewiesen. Diesmal ist das Ensemble kleiner, der Fokus völlig auf sie gerichtet. Beide ziehen ihre „Sympathisanten“ von Anfang an in ihren Bann und lassen sie bis zum Schluss nicht mehr los.

Genre: Drama

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

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