Unser CD-Tipp: Spohr voller Einfälle

Wieder einmal ist bei cpo etwas aus dem reichen Œuvre Louis Spohrs erschienen, klingende Einblicke in ein Kapitel, das bei seiner zögerlichen, aber doch voranschreitenden Wiederentdeckung noch kaum beachtet wurde.

Und wer könnte Werke für Violine und Klavier besser einspielen als Ingolf Turban und Kolja Lessing, die beiden Musiker, die immer für Projekte abseits der ausgetretenen Pfade zu haben sind? Zwei größere Werke von jeweils mehr als einer halben Stunde Spieldauer umrahmen zwei kleinere Gelegenheitswerke.

Da ist zuerst das „Grand Duo“, eine ausgewachsene viersätzige Sonate, streng in der Form, doch von beachtlichem Einfallsreichtum und von zum Teil offen ausgespielten musikalischem Humor. Der Klavierpart - Spohr schrieb ihn für seine zweiten Frau Marianne - ist keine „Begleitung“der Geige, sondern ihr ebenbürtiger Partner, raffiniert gesetzt und meist in hohen, hellen Sphären agierend.       

Noch spielfreudiger sind die Sechs Salonstücke op. 135 aus den Jahren 1846 und 1847. Jede der Piècen - Barcarole, Scherzo, Sarabande, Siciliano (mit Gewitter!), Air varié und Mazurka - hat ihren ganz eigenen Charakter, mal zum Historismus ausschlagend, mal romantische Kühnheiten nicht verschmähend. Gut anzuhören ist dies, und man fragt sich, warum man diese Stücke nicht einmal im Kammermusiksaal hört. Ingolf Turban und Kolja Lessing machen es perfekt vor, wie man sie angehen muss.

Johannes Mundry Louis Spohr: Grand Duo. Werke für Violine und Klavier. Ingolf Turban (Violine), Kolja Lessing (Klavier), cpo.

Wertung: vier von fünf Sternen

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