Bilanz zum Kasseler Kulturzelt: Nicht nur Till Brönner fühlte sich Zuhause

Ruhmeshalle: Hinter der Bühne haben sich alle Künstler an einer Wand mit Dankesbotschaften verewigt. Foto: Lohr

Die Bilanz des Kasseler Kulturzelts: Das Musikfestival lockte erneut 25.000 Zuschauer an die Drahtbrücke - und zwar nicht nur mit Stars.

Wie gut es den Musikern im Kasseler Kulturzelt gefallen hat, kann man hinter der Bühne sehen. Dort haben die Mitarbeiter des Festivals eine Wand mit Fotos von allen Künstlern aufgebaut, auf der sich jeder verewigt hat. Jazz-Trompeter Till Brönner schrieb etwa, das Kulturzelt sei „mein zweites Zuhause“. Auch wir haben uns wieder sehr wohlgefühlt. Unsere Bilanz der gerade zu Ende gegangenen Saison.

DIE ZAHLEN

25.000 Zuschauer kamen zu den 32 Konzerten. Das sind so viele wie im Vorjahr – und es ist trotzdem auch eine Steigerung, weil es diesmal mehr bestuhlte Konzerte mit einem geringeren Fassungsvermögen gab. Gleich 24 Veranstaltungen waren diesmal ausverkauft. Und zwar nicht nur die Mainstream-Publikumslieblinge wie Johannes Oerding, Bosse und Gregor Meyle, sondern auch Acts, von denen man es nicht erwartet hätte. So gab es selbst bei der hierzulande noch relativ unbekannten Electro Deluxe Big Band aus Frankreich keine Karten mehr.

Nicht nur an ihn werden wir noch lang denken: Der Israeli Asaf Avidan versetzte das Kulturzelt mit seiner Stimme in Ekstase.

„Das liegt an der Eigendynamik des Festivals“, sagt Lutz Engelhardt, der das Kulturzelt mit Angelika Umbach organisiert. Er hat beobachtet, dass die Zuschauerzahlen an der Drahtbrücke deutlich über denen anderer Orte liegen. Auch das Kulturzelt selbst ist also ein bisschen der Star.

Wobei Zahlen allein nicht viel wert sind. Umbach fand beispielsweise nicht nur den Auftritt des Israelis Asaf Avidan umwerfend, sondern auch das Konzert des Kettcar-Sängers Marcus Wiebusch, bei dem der Konzertbau halb leer war.

DIE AUSFÄLLE 

Für Zuschauer und Künstler war die Saison also toll, für die Veranstalter aber auch „echt brutal“, wie Engelhardt sagt. Gleich vier Konzerte mussten kurzfristig gestrichen werden. Ausgefallen ist dann aber nur eins – das des US-Bluesrockers JJ Grey. Für die Auftritte von Eric Bibb, Kitty, Daisy & Lewis sowie AnnenMayKantereit wurden Ersatztermine gefunden. Das Kölner Trio holte sein Konzert erst am Montag nach dem eigentlichen Saisonfinale nach, das traditionell den 17 Hippies gehört. Ein Novum in der Geschichte des Kulturzelts.

DER SCHÖNSTE MOMENT 

Außergewöhnliche Augenblicke gab es viele, der schönste Moment gehörte aber dem Countertenor Andreas Scholl, der mit dem israelischen Musiker Idan Raichel auftrat. Seine Frau, die Cembalistin Tamar Halperin, brachte wenige Stunden vor dem Auftritt ihr Kind in Wiesbaden zur Welt. Der junge Vater Scholl kam verspätet in Kassel an und war überglücklich.

DAS NÄCHSTE JAHR 

Einige der Gesichter aus diesem Jahr wird man auch im Juli und August 2016 im Kulturzelt erleben können. Dann wird das Festival 30. Es soll ein besonderes Programm geben. „Wir wollen einige unserer Lieblingsbands aus 30 Jahren nach Kassel holen“, verspricht Umbach. Gut möglich, dass sich die Künstler auch dann wieder mit Liebesbekenntnissen verewigen werden. Die Wiener Band Wanda schrieb heuer an die Wand: „Unvergessen diese Nacht!“

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