Interview mit Egerländer Musikanten-Chef Hutter: "Unsere Musik boomt wieder"

Unter dem Motto „Lebensfreude“ steht die aktuelle Tournee der Egerländer Musikanten. Am Samstag, 21. April gastiert das Ensemble, das zu den erfolgreichsten Blasorchestern der Welt zählt, in Kassel. Wir sprachen mit dem Leiter Ernst Hutter.

Herr Hutter, seit mehr als zwölf Jahren leiten Sie die Egerländer Musikanten. Da kann man mal eine Zwischenbilanz ziehen. Wie sieht Ihre aus?

Ernst Hutter: Wir haben ja nach dem Tod des Gründers und langjährigen Leiters Ernst Mosch 1999 neu begonnen mit dem Ziel, das Orchester überhaupt am Leben zu erhalten. Wir haben damals entschieden, in kleiner Besetzung weiterzuspielen. Nach einer Probephase von drei Jahren war klar: Unser Publikum wünscht, dass das Orchester auch ohne Ernst Mosch weiter besteht. Damit war das erste Ziel erreicht. Dann wollten wir natürlich eigene neue Stücke beim Publikum etablieren. Und in den folgenden zehn Jahren ist es uns gelungen, Jahr für Jahr neue Kompositionen in unser Repertoire aufzunehmen.

Und wo stehen Sie heute?

Hutter: Die Nachfrage nach den Egerländern ist von Jahr zu Jahr größer geworden. Heute stellen wir fest, dass unsere Musik, für die wir als Egerländer an der Spitze stehen, wieder einen Boom erlebt. Wir haben sogar viele ältere Titel von Ernst Mosch, die teilweise 50 Jahre alt sind, wieder zu Hits gemacht, was nicht unbedingt zu erwarten war.

Wie erklären Sie sich diesen Boom?

Hutter: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Am Ende der Ära Mosch war die Blasmusik nicht mehr so gefragt. Wir haben angefangen, diese Musik zu entstauben. Wir haben in der kleinen Besetzung sehr viele solistische Elemente eingeführt und das Interessante an dieser Musik wieder nach vorn gebracht. Das hat viele junge Musiker animiert und dazu beigetragen, dass viele junge Orchester entstanden sind. Die Bläsermusik hat seitdem wieder mehr Beachtung beim Publikum gefunden.

Sie haben ja den Egerländern persönlich Ihren Stempel aufgedrückt. Beispielweise dadurch, dass Sie den Sound des Orchesters verändert haben. Was hat es damit auf sich?

Hutter: Wir haben natürlich immer auch die 43 Jahre mit Ernst Mosch vor Augen und vor Ohren gehabt. Auch er hat mit einer kleinen Besetzung begonnen, die er dann den Vorlieben der Hörer angepasst hat. Wir haben nach dem Neuanfang immer gespürt, dass viele Fans unserer Musik den etwas größeren Sound wie in den späteren Jahren von Ernst Mosch in den Ohren hatten.

Um wie viele Musiker haben Sie das Orchester vergrößert, und wie groß war es vorher?

Hutter: Wir sind heute 19 Bläser plus zwei Gesangssolisten. Das sind drei Bläser mehr als vorher. Wir haben die Melodiegruppe im Tenorhorn- und Flügelhorn-Register, die für unsere Arrangements von großer Bedeutung sind, um drei Leute verstärkt. Dadurch entsteht auch wieder der Schmelz, der unsere Musik so auszeichnet. Als Nebeneffekt der vergrößerten Besetzung konnte ich in den letzten Jahren auch anfangen, das Orchester zu verjüngen. Wir haben mittlerweile sechs Musiker, die Mitte zwanzig sind, in unserem Egerländer-Pool.

Wie sieht bei Ihren Auftritten die Mischung zwischen alten Hits und neuen Stücken aus?

Hutter: Eine Mischung, die wir im Lauf der Zeit kreiert haben. Wir nehmen in jedes Programm drei, vier Neukompositionen auf. Wir spielen im zweiten Teil unsere solistischen Stücke im Bigband-Sound. Zusammen mit den Schätzen unserer Tradition aus der Ära Ernst Mosch ist das eine Mischung, die bei unserem Publikum sehr gut ankommt.

Ist denn Ihre Stimmungskanone, der Schlagzeuger Holger Müller, in Kassel dabei?

Hutter: Holger Müller wird dabei sein, wobei er nicht nur eine Stimmungskanone ist, sondern auch ein einmaliger Schlagzeuger, der das Orchester immer toll mitreißt.

Samstag, 21. April, 20 Uhr, Stadthalle Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice Tel. 0561 / 203 204.

Von Werner Fritsch

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