„Florenz!“: Die prächtige Vergangenheit von Kassels Partnerstadt wird in der Bundeskunsthalle gefeiert

Unter göttlichen Künstlern

Das San-Giovenale-Triptychon von Masaccio (eigentlich Tommaso di ser Giovanni di Mone Cassai) aus dem Jahr 1422.

Bonn. Florenz weist ein reiches kulturelles Erbe auf. Hervorgebracht wurde es von Botticelli und Verrocchio, Michelangelo und Leonardo da Vinci, Dante, Vasari und vielen anderen Malern, Bildhauern, Architekten, Ingenieuren und Schriftstellern. Die Bonner Bundeskunsthalle feiert sie mit einer an Höhepunkten reichen Schau. Sie umfasst über 350 Kunstwerke, Prachtbände, Objekte aus den Sammlungen der Medici und Dokumente der Stadtgeschichte vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.

Die größte Dichte an Glanzstücken weist die Schau in den der Renaissance gewidmeten Abteilungen auf. Die Renaissance war eine Epoche der Wiederentdeckung und Orientierung an der griechisch-römischen Antike in Philosophie, Wissenschaft und Kunst. Eine lebensecht wirkende Büste stellt uns einen der bedeutendsten Förderer dieser Bewegung vor: Lorenzo den Prächtigen (1449-1492) aus der Familie der Medici. Durch Handel und Bankgeschäfte reich geworden, bestimmten die Medici die Geschicke von Florenz und stiegen zu Großherzögen der Toskana auf. Zu Lorenzos Schützlingen gehörten Michelangelo sowie der Universalgelehrte Leonardo da Vinci, die mit Zeichnungen vertreten sind.

Ein weiterer berühmt gewordener Schützling Lorenzos war Sandro Botticelli. Zu den absoluten Höhepunkten der Schau gehört sein Gemälde „Minerva und der Kentaur“ (o. J.). Es zeigt eine Frau, die einen wilden Pferdemenschen mit einem fast sanft anmutenden Griff ins Haupthaar zähmt. Auch mit religiösen Gemälden weiß Botticelli zu fesseln, wie die „Madonna mit dem Kind und fünf Engeln“ (um 1470) beweist. Zu Botticellis Gemälden gesellen sich Meisterwerke seiner Vorgänger, Zeitgenossen und Nachfolger. Masaccio ist mit dem „San-Giovenale-Triptychon“ (1422) vertreten. Auf dem von zwei Tafeln mit Heiligendarstellungen flankierten Mittelbild thront die den Jesusknaben präsentierende Maria. Von Fra Angelico werden Bildtafeln (1450-1452) mit ausdrucksvollen Darstellungen aus der Kindheitsgeschichte Jesu gezeigt.

Auch die Bildhauer warten mit beeindruckenden Werken auf: etwa Andrea del Verrocchio mit der überlebensgroßen Bronzegruppe „Christus und der ungläubige Thomas“ (1467-1483). Christus fordert Thomas auf, die entblößte Seitenwunde zu prüfen. Der tritt beherzt heran - und zögert: die vorgestreckten Finger verharren über der Wunde.

Der Erste, der den Ruhm dieser Künstler verbreitete, war der Maler, Architekt und Schriftsteller Giorgio Vasari. Ausgestellt ist eine Erstausgabe seiner 1550 in Florenz veröffentlichten „Lebensbeschreibungen der herausragenden Architekten, Maler und Bildhauer Italiens“. Damit wurde der am Medici-Hof ausgebildete Vasari zum Begründer der Kunstwissenschaft. Von Michelangelo soll Vasari allerdings als „Schwätzer“ abgetan worden sein. Dabei hatte der ihn doch zum „Göttlichen Michelangelo“ verklärt.

Bis 9.3., Friedrich-Ebert-Allee 4. www.bundeskunsthalle.de Katalog (Hirmer Verlag) 35 Euro, Buchhandel 49,90 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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