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Thriller "The Grey": Liam Neeson unter hungrigen Wölfen

Muss irgendwie durchkommen: John Ottway (Liam Neeson) in der Wildnis in Alaska. Foto:  dapd

Der Alltag der Öl-Arbeiter in Alaska steckt voller physischer und psychischer Herausforderungen. Es müssen schon ganze Kerle sein, die es hier fünf Wochen lang ohne einen freien Tag aushalten, Kerle wie Ottway (Liam Neeson).

Für den stillen Hünen ist der Job fern der Heimat auch eine Flucht vor einem Verlust. Aber das Trauma ist Ottway in "The Grey" hinterher gereist.

Heute haken die Männer eine weitere Schaffensperiode ab. Sie freuen sich auf ihr Zuhause, als sie in den Flieger steigen. Doch die Maschine gerät in Turbulenzen und stürzt ab, mitten in der menschenleeren, eisigen Tundra. Etliche Arbeiter gehen bei dem Absturz drauf. Sie sind die Glücklichen.

Für die Handvoll Überlebender beginnt nicht nur ein Kampf gegen Hunger und Kälte. Das Schicksal hat für ihren Crash ausgerechnet den Weidegrund eines Rudels ausgehungerter Wölfe ausgesucht. Mit grausamer Effizienz dezimieren die Tiere die Eindringlinge im Revier. Ottway wird zum Leitwolf der Menschen, aber er kann nicht verhindern, dass sein Rudel zusammenschmilzt wie Butter in der Sonne.

In der Einsamkeit Alaskas

Regisseur Joe Carnahan kann die energiegeladenen Actionfilme „Narc“ und „Smokin´ Aces” auf seinem Konto verbuchen. Nun zog es den Filmemacher in die Einsamkeit Alaskas. Und auch hier versteht sich der Kalifornier darauf, atemlose Spannung zu verbreiten. Es bleibt kein Auge trocken, wenn Wölfe das Ensemble dezimieren. Carnahan betreibt keinen Rufmord an den Wölfen. Die Tiere folgen ihrem naturgegebenen Programm, die unfreiwilligen menschlichen Eindringlinge wollen einfach nur überleben. Niemand bekommt den schwarzen Peter, keiner hat eine weiße Weste. Nicht von ungefähr heißt dieser bärenstarke, schweißtreibende Streifen „The Grey“.

Womöglich hat das Erlebnis dieser Dreharbeiten in der rauen Natur, zurückgeworfen auf ein Minimum an Komfort und Technik, auch in Regisseur Carnahan jene existenzialistischen Fragen aufkeimen lassen, denen sich seine Filmhelden stellen müssen. Er will den großen Studioproduktionen für immer den Rücken kehren und nur noch kleinere, intime Filme drehen, die ihm wirklich etwas bedeuten. Vielleicht sollte man ja öfter mal Filmemacher in die (Eis-)Wüste schicken.

Genre: Thriller

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: 4 Sterne

www.hna.de/kino

Von André Wesche

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