Manfred Beilharz inszeniert „Geschichten aus dem Wiener Wald“

Auflehnung nicht erfolgreich: Verena Güntner als Marianne. Foto:  Kaufhold

Wiesbaden. Wohin man blickt: Egoismus, Berechnung und Bestechung - bis zur Opferung eines unschuldigen Kindes, das im Weg steht. Manfred Beilharz (früher Kasseler Intendant) inszeniert am Wiesbadener Staatstheater Ödön von Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“.

Ohne Talmiglanz, entrümpelt und gerafft, gibt es immer wieder Einblicke in die dunklen Seelentiefen der im kleinbürgerlichen Wiener Milieu dahintreibenden Figuren.

Inmitten der menschlichen Unzulänglichkeiten: Marianne, mutterlos aufgewachsene und dem verwitweten, wohlhabenden Fleischer Oskar zur Ehe versprochene junge Frau. Sie will ein selbstbestimmtes Leben führen, pfeift auf die Verlobung, wirft sich dem Strizzi Alfred an den Hals und bekommt ein Kind: der Anfang eines Abstiegs in Elend und Kriminalität.

Am Ende darf die tief Gesunkene froh sein, dass der dicke Fleischer sie zu sich „emporzieht“. „Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln, und das Leben geht weiter, als wäre man nicht dabei gewesen...“

In Bernd Holzapfels zwischen Fleischerei, Spielzeugladen, Wachau- Strand, Heurigenlokal und „Maxim“ angesiedeltem, sparsamem Bühnen-Bilderbuch treiben die Figuren wie im Puppenspiel der Katastrophe zu. Danach bahnt sich unter Walzermusik die Versöhnung an: Mariannes Leben an der Seite des ungeliebten, grobschlächtigen Mannes.

Die Geschichte könnte deprimieren, wenn das Ernüchternde und Grausame dieser armseligen Welt in der Inszenierung stärker zum Ausdruck käme. So ist sie halt eine von vielen Geschichten, in der die Menschen umeinander kreisen, keinen Ausweg sehen und am Ende wieder landen, von wo sie aufbrachen.

Uwe Kraus gibt dem ebenso reichen wie gefühlsarmen und herablassenden Schlachtermeister Oskar starke Bühnenpräsenz. Ausgezeichnet, zugleich umwerfend komisch, Rainer Kühn als von senilen Lustgefühlen bedrängter Vater. Monika Kroll brilliert in der Rolle der in harter Lebensschule gestählten, geschäftstüchtigen, aber keineswegs herzlosen Valerie, die von ihrem ebenso scham- wie treulosen Geliebten dennoch nicht ablässt. Verena Güntner ist als Marianne nicht das schutzbedürftige arme Hascherl, sondern eine sich handfest, wenn auch erfolglos, auflehnende, tiefer und tiefer sinkende junge Frau, die insgesamt jedoch zu unbestimmt und blass bleibt.

Wieder am 12., 23.3., Kartentelefon: 0611/132325

Von Britta Steiner-Rinneberg

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