Wie der niederländische Kino-Klamauk „New Kids Turbo“ zum Überraschungserfolg wurde

Die Unterschicht schlägt zurück

Weglaufen oder Mitlachen: Die New Kids Richard, Gerrie, Robbie, Rikkert und Barrie eroberten auf Anhieb Platz eins der deutschen Kino-Charts. Foto: Constantin

Amsterdam. Es gibt eine schöne Mühle in Maaskantje. Und einen malerischen alten Bauernhof. Aber das ist deutschen Touristen egal, die das einst stille Dorf in der niederländischen Provinz Nordbrabant besuchen. Sie steuern die Kult-Cafeteria „’t Pleintje“ an, ordern fett Frittiertes und Aldi-Bier namens Schultenbräu. Genau wie Richard und Gerrie, Robbie, Rikkert und Barrie - die fünf Helden der rabenschwarzen Komödie „New Kids Turbo“, die jetzt auf Anhieb Platz 1 der deutschen Kinocharts erobert hat.

Manchem mag dieser Leinwandkracher um eine ständig Dosenbier saufende Gang arbeitsloser Dummbatteln wie ein Anschlag auf den guten Geschmack vorkommen. Doch Manta-Partys und Kinogänger, die mit Vokuhila-Perücken, Jogginghosen und Badelatschen Hollands „New Kids“ imitierten, machten bei der Deutschland-Premiere klar: Gegen Kult kann keiner. Rauslaufen oder Mitlachen. Mehr als 203 000 Kinobesucher entschieden sich am Osterwochenende für Letzteres - und verhalfen „New Kids Turbo“ zum bislang größten Starterfolg eines holländischen Films in Deutschland.

Von ungefähr kommt der Siegeszug der Comedy-Truppe nicht, die spöttisch mit dem Namen der einstigen Boy-Band New Kids on the Block spielt. Die 30 Jahre alten Drehbuchautoren und Regisseure Steffen Haars und Flip van der Kuil - beide stammen aus Maaskantje - knüpfen geschickt an Debatten um Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und deren Missbrauch an.

Viel Gewalt und Sex

Nur weil die unschuldigen Krisenverlierer im Sozialamt mal auf die Kacke gehauen haben, streicht man ihnen die Stütze. „Dann bezahlen wir eben nirgendwo mehr und nehmen uns einfach, was wir brauchen“, ordnet Kids-Boss Richard an - und löst damit eine fast landesweite „Unterschichten“-Revolte aus.

Begonnen hat der „New Kids“-Kult 2007 - mit Episodenfilmchen aus Maaskantje, die über das Internet verbreitet wurden. Später trauten sich der TV-Sender Comedy Central und andere Stationen, einige Serienfolgen zu übernehmen.

Ist der Kinofilm nun ein solcher Erfolg, obwohl oder gerade weil er geschmacklich den tiefgelegten Opel Manta von Kid Rikkert zu unterbieten versucht?, fragen sich manche Kritiker. Etwa bei knallig-blutigen Gewaltszenen. Oder beim fröhlichen Doggy-Sex mit der hochschwangeren, alleinerziehenden Supermarkt-Kassiererin.

„New Kids Turbo“ sei eine „Schande für unser Dorf“, sagt eine ältere Frau im Regionalsender. „Die Touristen überschwemmen uns“, ruft ihr Nachbar ärgerlich. Der Wirt im „’t Pleintje“ hingegen freut sich: „Herrlich, Kundschaft aus Deutschland, aus Belgien, von überall.“ Auch der „New Kids“-Fanladen macht gute Geschäfte mit dem Prollkult. Kein Wunder, dass eine Fortsetzung folgt: Im Sommer beginnen die Dreharbeiten für „New Kids Nitro“ - natürlich in Maaskantje. (dpa)

Von Thomas Burmeister

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