Konzert im Opernhaus

Unterwegs mit Italo-Götzi: Götz Alsmann trat im Kasseler Opernhaus auf

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Große Geste: Götz Alsmann beim Auftritt im Kasseler Opernhaus.

Kassel. Konzert im Opernhaus: Italienische Schlager und Canzoni verwandelte Götz Alsmann bei seinem Auftritt in Jazz.

Nach fast jedem Schlussakkord springt er vom Klavierhocker auf, knöpft sich die Jacke zu. Dann tänzelt Götz Alsmann zum Ende des Flügels, lehnt sich locker an und erzählt wild gestikulierend und rasend schnell vom ausschweifenden Nachtleben in Rom, wo noch spät nachts Karaoke gesungen wird. „Können Sie sich das etwa in Kassel vorstellen?“, ruft er. Viele der etwa 600 Gäste im Opernhaus schütteln die Köpfe, lachen, applaudieren. Alsmann grinst, läuft wieder zum Klavier.

Der aus der TV-Show „Zimmer frei!“ bekannte Entertainer präsentierte mit seiner vierköpfigen Combo am Samstag ein Programm rund um die italophilen Schlager der 50er und 60er, von „Sag mir quando“ über „Ciao, Ciao, Bambina“ bis zu „Azzurro“. Ein Programm, das passend auf das eher gediegene Publikum zugeschnitten war: Die Melodien von Conte, Marini und Co. haben sich nun einmal ins kollektive deutsche Gedächtnis gebrannt.

Und sie verfangen auch dann noch, wenn sie im seit Jahren etablierten, selbst zum Klischee gewordenen Alsmann-Sound daherkommen. Aus „Volare“ wird so „Ich fliege“ im eingängigen Jazz, der Text von „Marina“ wird erst gar nicht angestimmt.

Bekannte Mischung

Die Götz-Maschine, sie surrt unterdessen wie eh und je. Dass die bekannte Mischung aus Swing und Bossa nova, Foxtrott und Mambo funktioniert, verdankt der Bandleader seiner wie im Blindflug agierenden Rhythmusgruppe: Ingo Senst (Kontrabass), Rudi Marhold (Schlagzeug) und besonders Markus Paßlick, der trotz gebrochenen Arms eindrucksvoll „bongoliert“. Unverzichtbar auch Multiinstrumentalist Altfrid M. Sicking, der den etwas zischenden Bühnensound am Vibrafon abrundet und auch als Solist begeistert.

Neben seinen Qualitäten als überragender Conférencier, mit denen er die große Bühne in einer Mischung aus Fakten und Anekdoten ausfüllt, bleibt der Pianist und Improvisator Alsmann an diesem Abend für seine Verhältnisse merkwürdig blass. Seine Soli sind kurz, große Experimente mit Klang oder Besetzung gibt es kaum. Erst als „Götzi“ bei der Zugabe zur Ukulele greift, „Ich fand ein Herz in Portofino“ und einen unsäglichen deutschen Schlager über die Mittelmeer-Sehnsucht trällert, hat sein Witz auch musikalisch das Klischee überrundet. Er kann es also doch noch.

Von Felix Werthschulte

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