in Kassel will er seine Fans in den Klang einweben

Unterwegs im Raumschiff: Schiller kommt mit Trance und Chill-Out-Beats nach Kassel

Christopher von Deylen (46) alias Schiller steht seit 20 Jahren für eine Mixtur aus Trance, Ambient und Chill-Out-Beats mit hohem Wiedererkennungswert. Jetzt geht der Elektronikmusiker, der auf fünf Nummer-eins-Alben blicken kann, auf Tournee. Von Deylen lebt in Berlin, hat keine feste Wohnung. Er bezeichnet sich als „selbstgewählt heimatlos“, um seinen Freiheitsgrad zu maximieren. (may)

Im Musikgeschäft ist Christopher van Deylen seit fast 20 Jahren eine feste Größe - als Elektro-Tüftler Schiller.

Mit mehr als sieben Millionen verkauften Tonträgern ist er Deutschlands erfolgreichster Elektronik-Künstler. Im Interview spricht der 46-Jährige über seine Tour, die ihn schon bald nach Kassel führen wird, und über höfliches Publikum.

Was machen Sie eigentlich am 13. und 29. Oktober und am 7. November? 

Schiller: Ich weiß es nicht. Der Gedanke daran erfüllt mich schon mit einer leichten inneren Unruhe (lacht).

Das sind in nächster Zeit Ihre einzigen freien Tage... 

Schiller: Ja, das sind sie. Wir werden sie in Flensburg, Dresden und Essen verbringen. Toll ist, dass wir auf unserer Tour geografisch in fast jeden Winkel Deutschlands kommen.

Wie gehen Sie mit dem Tourstress um? 

Schiller: Es ist kein Stress, sondern das Gegenteil für mich. Aufgrund meiner eingebauten Rastlosigkeit ist mir das Konzept des Feierabends oder des Wochenendes als arbeitsfreie Zeit sehr fremd. Ich habe mal versucht, das bei mir zu implementieren. Aber das hat mich eher gequält. Seit ich mich meiner Leidenschaft hingebe, ist alles wieder gut.

Gönnen Sie sich auf Tour Hotelübernachtungen? 

Schiller: Nein, wir sind mit unserem Raumschiff unterwegs und schweben quasi von Stadt zu Stadt - ein Reisebus mit Schlafkojen. Für jemanden der gerne alleine ist, wie ich es bin, ist das eine Umstellung. Man ist immer in der Gruppe. Ich kann maximal den Vorhang meiner Koje zuziehen. Aber das ist eine sehr minimalistische Form von Alleinsein.

Sie sehen auf Tour in kurzer Zeit viel von Deutschland... 

Schiller: Das ist wie bei Flugbegleitern, die heute hier und morgen dort sind und doch nur den Weg zwischen Airport und Flughafenhotel kennen.

Und spüren Sie Unterschiede beim Publikum? Ticken die Nordhessen und Südniedersachsen anders als die Bayern? 

Schiller: Je weiter wir im Süden sind, umso direkter wird reagiert - in Richtung Norden ist die Reaktion zurückhaltender. Das muss man sich auf der Bühne bewusst machen. Man kann es als Höflichkeit auffassen: Im Norden mischt sich das Publikum weniger ein. Kassel liegt da genau zwischen den Welten, wir freuen uns darauf.

Bei Ihren Touren gab es oft Gäste, diesmal auch? 

Schiller: Nein, weil wir bei der Klangwelten-Tour instrumental spielen. Das ist der Parallelentwurf zu unseren normalen Touren mit Gesangsgästen. Diesmal geht es um Elektronik pur. Wir sind zu dritt auf der Bühne und es gibt einen sehr ausgeprägten Raumklang - wir spielen im Surround-Sound.

Das klingt nach einem mächtigen Klangerlebnis... 

Schiller: Das Publikum wird in den Sound eingewebt, weil wir auch hinter ihm Lautsprecher haben werden. Das ist so nur bei einer rein elektronischen Darbietung möglich.

Wie wichtig ist Ihnen der direkte Kontakt zum Publikum, während des Konzerts? 

Schiller: Der direkte Kontakt während des Konzerts ist nicht entscheidend. Es kommt erst einmal auf die Musik an. Beim Spielen auf der Bühne bin ich selbst sehr versunken und kann nicht der Conférencier sein (lacht). Aber ich freue mich über jede Begegnung, am Rande des Konzerts oder auf dem Weg zum Tourbus.

Seit Ihren Schiller-Anfängen hat sich die Technik enorm verändert. Vermissen Sie etwas? 

Schiller: Nein! Technik darf nicht mehr als der verlängerte Arm des Menschen sein. Sie kann einem das In-sich-Hineinhören und das Umwandeln der emotionalen Verfassung in Töne nicht abnehmen.

„Future“ heißt Ihr letztes Album. Was kommt nach der Zukunft? 

Schiller: Ich weiß es nicht. Diese Tour ist für mich ein Lebensabschnitt. Meine musikalische Zukunft beginnt erst danach - ab Frühjahr 2018. Die Zeit vergeht schnell. Was manchmal gut ist, manchmal besser (lacht).

Schiller: Klangwelten, 21.10., 20 Uhr, Stadthalle Kassel. HNA-Kartentelefon: 0561/203204. 

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