Spannendes Unterhaltungskino zum Schluss der Batman-Trilogie

Neu im Kino: „The Dark Knight Rises“

Held mit Fledermauskostüm: Bruce Wayne (Christian Bale) wird zum Batman. Foto:  Verleih

Man hört, wie sie brechen: die Knochen des Bruce Wayne (Christian Bale) und der schwarze Körperpanzer, der die menschliche Identität des Helden im Fledermauskostüm schützen soll. Gegen diesen Gegner hat Batman keine Chance.

Denn in dem wuchtigen Körper von Bane (Tom Hardy) stecken eine abgrundtiefe Wut und ein zerstörerischer Verstand.

Wer ist Batman?

Batman ist seit 1939 ein erfolgreicher Comic-Held aus dem DC-Verlag. Batman hat keine Superkräfte wie etwa Spider-Man. Der Fledermaus-Mann ist die Geheimidentität des Milliardärs Bruce Wayne, der nach dem frühen Tod seiner Eltern die Mission hat, seine Heimatstadt Gotham City vor Verbrechen zu säubern. Dazu nutzt er ein Fledermauskostüm und das Bat-Mobil. Seine Abenteuer werden filmisch immer wieder neu erzählt.

Die Trilogie von Christopher Nolan zeigt den Helden verletzlich und menschlich, erzählt von seiner Ausbildung und ersten Kämpfen mit Bösewichten. Gefährlicher Gegner ist in Teil zwei der Joker, der mit seinem Terror die Stadt in Anarchie stürzen will. (fra)

In seiner Batman-Trilogie setzt der britische Regisseur Christopher Nolan den schwarzen Ritter als differenziert gestaltete Schmerzensfigur in Szene. Sein Batman war immer ein Held am Abgrund, und dieser Abgrund wurde besonders tief ausgelotet, als Heath Ledgers Joker in „The Dark Knight“ Gotham City mit seinem Terror überzogen hat und sich in dem Schurken mit dem Clownsgesicht unsere Traumata nach dem 11. September bündelten.

Auch die letzte Folge der Trilogie „The Dark Knight Rises“ ist sehr nah dran am kriselnden Seelenzustand unserer Gegenwart: Seit acht Jahren hält Gotham City die Kriminalität mit einem rigiden Polizei- und Überwachungsregime im Zaum. Patriot Act, Guantanamo und Abu Ghuraib lassen grüßen. Aber unten in der Kanalisation macht sich eine Untergrundarmee zu schaffen. „Ein Sturm kommt auf, Mr. Wayne“, flüstert die schöne Juwelendiebin Selina (Ann Hathaway) dem Milliardär Wayne ins Ohr. „Sie und Ihre Freunde können sich auf etwas gefasst machen. Denn wenn er da ist, werden Sie sich alle wundern, wie Sie jemals auf die Idee kommen konnten, sich derart zu bereichern und so wenig für den Rest von uns übrig zu lassen.“ Sätze, die im Zeitalter der Wirtschaftskrise ins Herz der Gesellschaft treffen.

Wenn die aufgebrachten Horden durch Gothams Nobelbezirke marodieren, hat man das Gefühl, Nachrichtenbilder einer nicht allzu fernen Zukunft zu sehen. Aber die politische Metaphorik in „The Dark Knight Rises“ drängt sich nie in den Vordergrund.

Genre: Superheldenfilm

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: fünf vonf fünf Sternen 

Der Film bleibt in allererster Linie ein ungeheuer spannendes Stück Unterhaltungskino. Das hat zum einen mit einer dicht geknüpften Dramaturgie zu tun und zum anderen mit einem breit gefächerten Figurenarsenal, in dem im Kampf zwischen Gut und Böse die moralischen Grenzen immer durchlässig bleiben. Keiner der Charaktere in „The Dark Knight Rises“ hat etwas mit den Vorurteilen grob geschnitzter Comicfiguren zu tun. Ebenso vielschichtig wie die Figuren ist die visuelle Gestaltung des Filmes, die auf digitale Effekte fast vollständig verzichtet und atemberaubende Actionszenen mit leisen, intimen Sequenzen organisch verbindet.

Auf allen Ebenen ist „The Dark Knight Rises“ ein Bekenntnis zur Komplexität modernen Entertainments, das seine Zuschauer ernst nimmt, ihre Gegenwart popkulturell reflektiert und sie ebenso intelligent wie anregend unterhält.

Von Martin Schwickert

Regisseur Christopher Nolan über ...

den Anschlag von Aurora:

Eine sinnlose Tragödie. Das Kino ist mein Zuhause. Die Vorstellung, dass jemand diesen unschuldigen und erwartungsvollen Ort derart brutal entweiht, ist einfach verheerend.

die Faszination für Batman:

Bruce Waynes Story fasziniert die Menschen seit über 70 Jahren. Er verfügt zwar über Reichtum, aber über keinerlei Superkräfte. Das Außergewöhnliche an ihm ist seine extreme Motivation und sein Engagement - dadurch wird er eine glaubwürdige Persönlichkeit.

die Gestaltung des Bösewichts:

Diesmal wollte ich Batman mit einem Gegner konfrontieren, der ihm körperlich wie intellektuell ebenbürtig ist. Bane ist ein schieres Kraftpaket mit einem fanatischen Pflichtgefühl - dieser Kombination kann niemand Einhalt gebieten.

den Dreh in New York, das im Film als Gotham City firmiert:

Gotham hat sich immer deutlich auf New York bezogen. Es handelt sich um eine überhöhte Version der Metropole. Sie hat die Comics immer inspiriert.

die Arbeit von Hauptdarsteller Christian Bale:

Christian zeigt ganz klar, dass Bruce zwar älter, deshalb aber nicht weiser geworden ist.

die Arbeit mit Imax-Kameras und einem 65-mm-großen Format der Filmstreifen:

Vor allem interessiert mich, wie die Kameras mich beim Erzählen der Geschichte unterstützen können. Wie kann ich die Zuschauer noch intensiver ins Geschehen ziehen? Imax bietet das denkbar größte Filmpanorama und erlaubt uns, völlig in die Handlung einzutauchen. (fra)

Hintergrund: Reaktionen auf den Anschlag

CSU-Politiker Norbert Geis in der „Passauer Neuen Presse“:

„Es ist naheliegend, den Filmstart einige Zeit zu verschieben. Wenn auch bei uns etwas passiert, würden wir uns alle schwere Vorwürfe machen.“

Georg Howahl in der WAZ: „Bei Batman handelt es sich um ein modernes Märchen, das den Kampf von Gut gegen Böse erzählt. Es ist die Geschichte eines Mannes, der einsam auf Verbrecherjagd geht. Ein Film macht einen Menschen nicht zum Mörder. Vielmehr ist es so, dass ein aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zurechnungsfähiger junger Mann in der Absicht zu töten die Premiere dieses Films als Kulisse nahm. Wäre nicht der neue Batman-Film gestartet, er hätte einen anderen Anlass gefunden - und sei es ein Grimmsches Märchen - seine Wahnsinnstat zu verüben. Schuld ist nicht der Film.“

Tobias Kniebe in der „Süddeutschen“: „Es ist nun nicht mehr möglich, diesen Film zu sehen ohne die Trauer um die Opfer von Aurora, Colorado, ohne das Rätselraten über den Täter, der seine eigene, kranke Welt jetzt unauslöschlich mit dem Universum der Batman-Erzählung verknüpft hat.“ Haben die Batman-Filme den Täter zur Tat gebracht? „Vorbilder für kleinlich kalkulierte Massaker an völlig Unbewaffneten (...) kennt das Kino eher weniger - es wäre auch schlichtweg zu abstoßend, das in einem Film zu zeigen. Irgendwo muss doch Gegenwehr zu spüren, ein Gleichgewicht der Kräfte zu erwarten sein - oder es wird keine Kinoszene daraus.“ (fra)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.