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Uraufführung des Stücks „Gelbes Gold“ von Fabienne Dür im Theater im Fridericianum

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Der Dreh- und Angelpunkt: An der Pommesbude „Zum Gelben Gold“ treffen sich: Juli (Tamara Romera Ginés, von links), Juli (Christina Weiser), Fritz (Aljoscha Langel) und Ana (Emilia Reichenbach).
Der Dreh- und Angelpunkt: An der Pommesbude „Zum Gelben Gold“ treffen sich: Juli (Tamara Romera Ginés, von links), Juli (Christina Weiser), Fritz (Aljoscha Langel) und Ana (Emilia Reichenbach). © Isabel Machado Rios

Am Tif wurde am Freitag das Stück „Gelbes Gold“ uraufgeführt. Die Autorin des Werks, die junge Berlinerin Fabienne Dür, war dabei und durfte erfreute Zuschauer sehen.

Kassel – Bleiben und Weggehen, spätestens seit der Odyssee sind das große Menschheitsthemen. Soll man dort bleiben, wo man aufgewachsen ist, wo man sich auskennt, wo man die Menschen – nur zu gut – kennt (und sie einen) oder soll man aufbrechen auf der Suche nach dem Neuem, nach dem Glück?

„Gelbes Gold“ heißt das am Freitagabend im Tif uraufgeführte und vom Publikum gut angenommene Kammerspiel der bei der Premiere anwesenden jungen Berliner Autorin Fabienne Dür.

Gemeint ist nicht wertvoller Schmuck, sondern, im Gegenteil, die Produkte der Pommesbude „Zum Gelben Gold“, die Fritz am Rande der dem Abriss geweihten Plattenbauten betreibt. „Er spielt ständig Alchimist“, lästert seine Lebensgefährtin Mimi, denn der Pommes-Fritz ist dem idealen Rezept auf der Spur, das ihm die hungrigen Massen an die Bude bringen wird. Am Ende lädt er selbst das Gesundheitsamt zur Kontrolle ein und trägt damit zur Schließung der Bude bei. Aus der Traum!

Ana hat’s geschafft. Denkt man. Fritz’ Tochter hat die Vorstadt verlassen, um studieren zu gehen. Eine Prüfung noch, dann hat sie den Abschluss in der Tasche. Nach langer Zeit kommt sie wieder einmal zum Vater und zu seiner Bude. Eigentlich will sie dort nicht (mehr) sein, aber an der Uni ist sie auch nicht heimisch geworden. Ihre Jugendfreundin Juli ist gar nicht erst losgekommen. Sie arbeitet in der Kita, wohnt im Haus der ausgewanderten Eltern.

Was den Wert des dichten und menschlich vielschichtigen Stücks ausmacht, sind die authentischen Charaktere. Alle vier haben Wünsche und Träume, haben Ecken und Kanten, können liebevoll sein und garstig. Regisseur Tobias Schilling lässt den Personen freien Raum, lässt sie ohne Einschränkungen vor, hinter und in der Pommesbude (Bühne und Kostüme: Sibylle Pfeiffer) spielen, dass es eine Freude ist.

Und das Quartett, das auch die Lästerchöre der unsichtbaren Nachbarn wie ein Chor aus einer griechischen Tragödie deklamiert, ist ideal besetzt. Herausragend Tamara Romera Ginés als Juli mit allen Schattierungen in Stimme und Minenspiel. Auch Emilia Reichenbach füllt die Rolle der unsicheren, irgendwie entwurzelten Ana äußerst echt aus. Vater Fritz wird von Aljoscha Langel als Mischung von Pommesheroe und Sensibelchen dargestellt. Christina Weiser als Mimi schließlich zeichnet eine lebenskluge Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht und die anderen erdet.

Wie soll so ein Tableau enden, fragte man sich im Verlauf der so schnell verrinnenden hundert Minuten. Noch ist nicht aller Träume Ende. Zum Schluss brechen zwei der Personen auf, und zwei bleiben … Wer kommt aus dem Fettgeruch los, wer nicht? Auflösung in den nächsten Vorstellungen in Kassel am 18., 25. und 31. Dezember oder schon in einer neuen Inszenierung ab dem 14. Dezember auf der Vaganten Bühne in Berlin. (Johannes Mundry)

Tickets: staatstheater-kassel.de

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