Uraufführung des Generationenclubs: „Nicht aufgeben. Niemals“

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39 hochgereckte Händepaare: Der Generationenclub des Staatstheaters bei der Generalprobe zu Eva Maria Sommersbergs Stück.

Kassel. Wer am Sonntag die Uraufführung des Generationenclubs im Theater im Fridericianum besuchen will (das ist der Zusammenschluss Schauspielneugieriger von 16 - 80 Jahren), muss - um die Parole des Abends vorwegzunehmen - erst einmal durchhalten: Wir stauen uns im Treppenhaus - wir stauen uns im Foyer.

Darsteller und Publikum sind, so erfährt man derweil in Gesprächen mit den etwa 100 Gästen, häufig miteinander bekannt: Laientheater ist meist ein hyperlokales Ereignis.

„Nicht aufgeben. Niemals“ hat Autorin Eva Maria Sommersberg, selbst Schauspielerin am Staatstheater, ihr abwechslungsreiches und flottes Episodendrama genannt, das von Engagement, Verantwortung und der „Chance, die im Scheitern liegt“, erzählen will.

39 (!) Schauspieler jagen in der Regie von Raphaela Kurz in gut einer Stunde Spielzeit durch ein Ensemble von oft nur minutenlangen Einzelsequenzen, frei von Handlungs- oder Geschehensinterferenzen und ausgespielt vor einem weiten Raumpanorama von Großalmerode bis zum arktischen Ozean.

Das sind stets Momente hoher dramatischer Intensität: Auf einer Bürgerratssitzung kommt es zum rassistischen Eklat, ein Botschafter bewahrt im Tod Größe, eine Handvoll Occupy-Camper diskutiert den Unterschied zwischen geldgeilen und geldsüchtigen Bankern, und im Genlabor läuft - igittigitt - atomares Sperma aus.

Hervorhebenswert ist auch der Entstehungsprozess des Stückes, in dem Sommersberg den Darstellern zunächst ihren „emotionalen Markenkern“ mit viel Geschick abgefühlt hat, um ihnen die Rollen im Anschluss auf den Leib zu schreiben.

Das ergibt ein sehr stimmiges und natürliches Spiel, das niemanden überfordert zurücklässt und die Distanz zwischen Wollen und Können wohltuend reduziert. Kräftiger Beifall.

Auch heute, 20.15 Uhr, tif. Karten: Tel: 0561 / 1094-222.

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