Vom Urknall bis heute: Vince Ebert präsentiert in Kassel die "Evolution"

Knuffig: Vince Ebert erklärt Naturwissenschaften so, dass sie auch Kinder verstehen – wenn nötig mit Bildschirm. Foto: Hedler

Kassel. Boah, es ist ein Wunder, dass Vince Ebert sich bei dem Affenzacken, mit dem er seine Show „Evolution“ durchzog, nicht ein einziges Mal versprach, nicht plötzlich platt auf der Bühne lag.

Am Sonntag führte der aus dem „Wissen vor acht“ in der ARD bekannte Physiker und Kabarettist die Zuschauer im fast ausverkauften Anthroposophischen Zentrum vom Urknall bis in die Jetzt-Zeit.

Der Beginn des Universums sei „eine ziemlich schleimige Suppe aus Strahlen gewesen“. Dann hätte es noch 400.000 Jahre gedauert, bis es hell wurde. Die Sonne sei ein kleiner Stern, sie habe die richtige Größe, weshalb sie seit über vier Milliarden Jahren strahle.

Der 47-jährige Vince Ebert, der in Würzburg studierte, anschließend bei einer Unternehmensberatung in Frankfurt arbeitete, fährt komplizierte Wissenschaft auf ein Niveau herunter, das selbst Kinder verstehen. Pandabären nennt Ebert „eingebildete Schnösel“, sie hätten keine Lust auf Sex, pflanzten sich nur mühsam fort. Noch schlimmer seien Löwen, sie seien „Arschlöcher“ und „Trittbrettfahrer“, da sie siebzig Prozent ihrer Beute den Hyänen klauten. Aber der „blonde Schönling“ sei beliebt, das lasse sich nicht ändern. Darmbakterien hingegen, die täglich die Drecksarbeit machten, würden kaum gewürdigt.

Des Weiteren hatte Ebert das Rudelverhalten, den Magerwahn, die Grausamkeit der Katzen, die Dummheit des Barsches, die Zellteilung, die Liebe auf dem Plan. Um die Gruppendynamik zu veranschaulichen, holte er einen Zuschauer an den multifunktionalen Bildschirm auf der Bühne.

Ebert ist wunderbar skurril und witzig. Der Physiker mit den struppigen Haaren kann auch richtig knuffig sein, wie es das ARD-Format zeigt. Dazu kann er das herrlich näselnde Südhessisch sprechen. Auf dem Weg, aus ihm einen Star zu machen, wird ihm seitens des Managements, das auch Eckart von Hirschhausen vermarktet, Hochglanzlack plus Formel-1-Tempo übergesprüht. Glatt gebügelt ist das Knuffige, leider. Das Publikum wirkte nach zwei Stunden müde. Dennoch viel Beifall.

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