Jazz-Sängerin im Kasseler Opernhaus

Ute Lemper kommt mit  Marlene Dietrich-Show nach Kassel

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Kommt nach Kassel: Jazz-Sängerin Ute Lemper.

Drei Stunden hat Ute Lemper mit der Hollywood-Legende Marlene Dietrich im Jahr 1988 telefoniert, jetzt hat sie daraus ein Programm gemacht, mit dem sie nach Kassel kommt.  

1988 in Paris: Im Hotelzimmer der jungen Sängerin Ute Lemper klingelt das Telefon. Am anderen Ende hört sie die Stimme einer Legende – Marlene Dietrich. Drei Stunden dauerte das Gespräch, aus dem das Programm „Rendezvous mit Marlene“ entstanden ist, mit dem Ute Lemper am Donnerstag, 14. Februar, im Kasseler Opernhaus auftritt.

Frau Lemper, Marlene Dietrich soll in ihren letzten Jahren viel telefoniert haben. Das Telefon soll für sie wie die Nabelschnur zur Welt gewesen sein und es heißt, manche fühlten sich von ihren Anrufen sogar tyrannisiert. Wie haben Sie das empfunden?

Das ist Quatsch. Jeder, der die Ehre hatte, mit Marlene zu sprechen, sollte sich auch geehrt fühlen und sich nicht beschweren. Sie hat viel erlebt und viele große Menschen der Ära kennengelernt, sie war ein Lexikon der Film- und Musikgeschichte. Und: Es war kein desperates Telefonat. Es war wunderbar, sie sprechen zu hören. Sie war authentisch, etwas frech, und es war Tiefe in dem Gespräch.

Sie werden seit über 30 Jahren mit Marlene Dietrich verglichen, Ihr Programm ist ihr gewidmet. Wie sehr hat sie Ihr Leben beeinflusst?

Eigentlich hat sie meine Karriere nicht beeinflusst, bis auf das aktuelle Programm, das eine Hommage an sie ist und von ihr, ihrer Legende und ihren wunderbaren Liedern inspiriert ist. Aber ich bin einen Weg gegangen, der nicht besonders beeinflusst war von ihr. Und doch muss ich sagen, dass meine Karriere unabsichtlich Parallelpunkte zu ihrer Karriere hat.

Die Basis Ihres Programms ist ein Telefonat, das 30 Jahre her ist...

Das war ein magischer Kontaktpunkt. Ich war damals 24 und sie 84 Jahre alt und ich wurde mit ihr in der Pariser Presse verglichen. Ich verstand diese Vergleiche mit dieser großen Hollywood-Legende – dieser großen Dame – nicht. Meine Karriere war damals noch nicht definiert, das hatte ich ihr geschrieben. Bald darauf klingelte das Telefon in meinem Hotelzimmer, und Marlene Dietrich war dran – ich dachte, es sei ein Scherz. Als ich realisierte, dass sie es ist, war ich schockiert, weil es so überwältigend und unfassbar war.

Der Anruf hat Sie überrascht: Welche Frage, die Sie nicht stellten, hätten Sie Ihr gerne noch gestellt?

Ich hätte noch einige Fragen gehabt, aber selbst auf die paar Fragen, die ich ihr stellte, reagierte sie fast ärgerlich und sagte, es sei doch kein Interview und sie wolle einfach mit mir sprechen. Insofern hätte es vermutlich nicht geklappt, die Fragen zu stellen, die mir später eingefallen sind. Das Telefonat war eher ein Monolog. Sie hat sich Dinge von der Seele geredet.

Worüber hat Sie geredet?

Sie kam schnell auf die wesentlichen Dinge, die sie beschäftigten: Den Schmerz, durch das Exil ihre Heimat Deutschland verloren zu haben – ein Thema, das ihr im Herzen noch sehr präsent war. Sie hat viel den Poeten Rainer Maria Rilke zitiert, sie hat über ihre gebrochene Beziehung mit ihrer Tochter gesprochen.

Was schätzen Sie an Marlene Dietrich?

Ihren Lebenshunger, ihre unglaubliche Freiheit, die sie auslebte. Sie hatte als Frau das letzte Wort, sagte immer: „Ich denke wie ein Boss und benehme mich wie eine Lady“. Sie lebte eine freie Ehe mit ihrem Mann Rudi und hatte vermutlich hunderte Affären. Sie hatte Zivilcourage, hat sich als Anti-Nazi positioniert. Das alles war damals sehr unüblich für eine Frau. Und: Wer würde sich sein Leben heute nicht gerne so freischaufeln, dass man glücklich ist? Sie hat das für sich getan, das bewundere ich.

Sie leben in Amerika, sind aktuell in der Vox-Serie „6 Mütter“ zu sehen, stehen dort für eine lockere Erziehung ein. Sie kehren oft zurück nach Deutschland – wie groß ist Ihr Heimweh?

Ich bin Deutsche im Herzen, bin ständig in Deutschland, aber ich liebe mein Leben in New York. Hier empfinde ich Freiheit, weil es keine Norm gibt. Und alles ist hier ein Stück größer.

Termin: Reihe „Theaterstübchen geht fremd“, Sängerin Ute Lemper mit „Rendezvous mit Marlene“, 14. Februar, 19.30 Uhr, im Kasseler Opernhaus. Karten: 0561/203204.

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