Ausstellung des Bildhauers Eberhard Fiebig im Atelier

Der Vater der Falte

Gefaltet: Eine Arbeit, die im Atelier zu sehen ist. Fotos: Auel

Kassel. Im Atelier von Eberhard Fiebig liegen Tuschezeichnungen. Sie sind aus den 90er-Jahren, aber der 81-Jährige plant, nun wieder auf diese Weise zu arbeiten. Die kalligraphischen Arbeiten wurden mit lockerer Geste aufs Papier gebracht.

Zum Teil hat Fiebig das Japanpapier gefaltet, wodurch einige Kompositionen wie Rorschachbilder wirken: In der Mitte verläuft eine Achse, an der die Komposition symmetrisch gespiegelt ist. Mit Falten kennt der Künstler sich aus - im Bereich der Metallskulptur kann er sogar als Vater der Falte bezeichnet werden.

Seinen eigenen Vater, ein Porträtgemälde hängt in seinem mit Büchern prall gefüllten Atelier, beschreibt er als hochgebildeten Mann. Schon früh habe er ihm zum Beispiel von Leibniz erzählt, wodurch er erstmals mit der Form der Falte konfrontiert wurde. Um die metallenen Blattkörper für seine Skulpturen vorzubereiten, arbeitet er mit einer Computerfräse. Beim Falten kann ihm allerdings keine Maschine helfen. Das Verfahren der Krümmung der Bleche nennt Fiebig Perforation.

Für Eberhard Fiebig ist keineswegs jeder Mensch ein Künstler. Die Auffassung von Joseph Beuys hält er für „mittelrheinische Jeckenphilosophie“. Trotz dieser Abgrenzung lässt sich rein äußerlich eine Verbindung zu Beuys, der in Düsseldorf jeden Interessierten in seine Akademieklasse aufnehmen wollte, herstellen: Auch Fiebig, der in Kassel an der Kunsthochschule als Professor tätig war, trägt eine Weste. Auffällig ist ein großer Knopf, der sich auf Schulterhöhe befindet. Er soll verhindern, dass die Kamera des Künstlers, der auch im Bereich Fotografie aktiv ist, rutscht.

Tobias Rasch lädt zur Schau von Fiebig ein. Den Künstler, von dem in Kassel das blaue „Tor des Irdischen Friedens“ am Uni-Gelände und die Stahl-Rosette vor der Neuen Galerie stammen, lernte er durch Zufall kennen, weil ein von ihm vertretener Künstler aus New York eines Tages am Atelier des Bildhauers vorbeiging, sich von dem Kollegen hereinbitten ließ und dem Galeristen später von der Begegnung erzählte.

Bis 30.5., Sa bis Mo 15-18 Uhr, Atelier Königstor 2. Tel. Eberhard Fiebig: 0561/5214570. Tel. Galerie Rasch: 0176/61197425.

Von Anne-Kathrin Auel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.