Vater sein ist cool: Das Stück „Nur ein Ei“ im Kasseler tif

Tierisch gut: Franz Josef Strohmeier als Wildschwein (von links), Aljoscha Langel als Fuchs und Thomas Sprekelsen als Kükensohn. Fotos: Klinger

Kassel. Kinder, das weiß selbst das Wildschwein, können sich ihre Eltern nicht aussuchen. „Mein Vater hängt als Schinken bei Feinkost-Meier“, sagt der Vierbeiner in Martin Baltscheits tollem Kinderstück „Nur ein Ei“, das das Kasseler Staatstheater als Uraufführung im tif zeigte und am Sonntag langen Applaus bekam.

Umgekehrt ist es aber auch so, dass Eltern sich ihre Kinder nicht aussuchen können. Das weiß das Wildschwein ebenfalls. Sein Freund, der Fuchs, wünscht sich einen Sohn. Und als die beiden ein Ei finden, das per Flaschenpost im Fluss zu ihnen kam, träumt der Fuchs erst recht vom Vatersein. Dabei könnte im Ei auch eine Schlange sein, und welcher Fuchs will schon ein Kriechtier als Kind?

Baltscheit erzählt kurzweilig und amüsant davon, wie schwer es ist, Vater zu werden und (was noch viel schwerer ist) Vater zu sein. Schon Dieter Klinges Inszenierung des Vorgängerstücks „Nur ein Tag“ war in Kassel ein Hit für die ganze Familie. Nun hat der Düsseldorfer Autor („Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“) für den Regisseur Klinge eine Fortsetzung geschrieben, für die man den ersten Teil nicht kennen muss.

Franz Josef Strohmeier (Wildschwein) und Aljoscha Langel (Fuchs) spielen die beiden Protagonisten tierisch gut und in lustigen Kostümen von Silke Becker, die auch die Bühne als heimeligen Ort gestaltet hat, an dem man sich zu Hause fühlt. Dazu kommen die Auftritte des hünenhaften Thomas Sprekelsen, der als Besserwisser-Küken, divenhafter Schwan und anhängliches Schildkrötenbaby eine Wucht ist.

Nächste Vorstellungen im tif: 24. und 30. März.

Karten: 0561/1094-222.

Das Schöne ist, dass Klinge und Baltscheit die Geschichte über ein ernstes Thema bis zum überraschenden Ende kindgerecht erzählen, mit passenden Pop-Songs wie „Daddy Cool“, dabei aber auch nicht vor Ironie zurückschrecken. Über das Ei, das im Fluss schwamm, heißt es einmal: „Vielleicht ist es abgetrieben.“

Mütter und Väter sollten mit ihren Kindern in „Nur ein Ei“ gehen. Das Stück ist ein großes Vergnügen für Alt und Jung. Und die Kleinen werden ihre Eltern dafür vielleicht noch ein bisschen mehr lieben.

Von Matthias Lohr

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