Kinderbuchautor Horst Eckert feiert seinen 80. Geburtstag heute in der Hängematte

Der Vater der Tigerente: Janosch wird 80

Der Autor vor einer Leinwand mit seinen Figuren Tiger und Bär: Horst Eckert erhielt seinen Künstlernamen Janosch von seinem Verleger. Foto: dadp

Für seine Figuren hat er eine Idylle geschaffen, wie er sie selbst nie kennenlernen durfte: Horst Eckert, bekannt unter seinem Künstlernamen Janosch. Am Freitag feiert der Kinderbuchautor seinen 80. Geburtstag.

„Katholisch geboren zu sein, war der schlimmste Unfall meines Lebens“, sagte der Schöpfer von Tiger, Bär und Tigerente vor Jahren in einem seiner seltenen Interviews. Wenn Eckert spricht, dann gibt er gerne den eigenbrötlerischen Kauz, provoziert, wirkt streitsüchtig. Markige Sprüche wie „Saufen ist keine Kunst. Kann man bei mir lernen“ und „Eine gute Illusion ist besser als die Scheißwahrheit“ stammen von ihm.

Sie wollen nicht passen zu der Welt voller Freundschaft und Liebe, in der seine Figuren leben. Bei Waldbeerenkompott mit Honig träumen sie vom großen Glück. So gelang Eckert der Durchbruch mit dem Kinderbuchklassiker „Oh wie schön ist Panama“. 1979 erhielt er dafür den Deutschen Jugendliteraturpreis.

Prügelnder Vater

Die Geschichte von der den Tieren, die in die Ferne schweifen um zu merken, dass es zuhause doch am Schönsten ist, scheint der Gegenentwurf zu seinem eigenem Leben zu sein. Geboren 1931 in Oberschlesien (Polen) litt er unter dem prügelnden und trinkenden Vater und der strengen Erziehung durch seine erzkatholische Mutter.

„Die ersten Jahre meines Lebens waren eine totale Zerstörung meiner Person“ erinnert er sich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges flüchteten die Eltern mit ihm nach Deutschland. Ein Kunststudium musste Eckert später „mangels Begabung“ abbrechen. Doch unterkriegen ließ er sich nicht, stattdessen zeichnete er weiter, veröffentlichte einige erfolglose Bücher bis zum großen Durchbruch.

Aus dem Erfolgsautor wurde mit den Jahren ein scharfzüngiger Kirchenkritiker, der die Rechte an seinen Werken im Jahr 2007 an die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung übertragen hat.

Dem Voraus gegangen war ein Streit mit der Janosch Film&Medien AG, die die Lizenzen an seinen Figuren an Spielzeughersteller bisher vermarktet hatte, Eckert aber angeblich nicht an den Erlösen beteiligt hatte.

Schlagzeilen machte ein Angriff des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber auf den Illustrator. Stoiber bezeichnete Janosch als „falschen Propheten“, nachdem eine Zeichnung von ihm erschienen war, in der ein Geistlicher einem Täufling mit dem Hammer ein Kreuz in den Bauchnabel rammt. Eckert kündigte daraufhin an, „mit großer Freude“ eine Autobiografie mit dem Titel „Das Tagebuch eines frommen Ketzers“ zu verfassen, die allerdings bis heute keinen Verleger gefunden hat.

Seinen Geburtstag will der Senior mit seiner Lebensgefährtin da feiern, wo er sich seit fast 20 Jahren am Liebsten aufhält: In der Hängematte seines Hauses auf Teneriffa.

Von Sonja Broy

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