Er verachtet alle: Kabarettist Max Uthoff in Vellmar

Der Stinkefinger des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis würde ihm auch stehen: Kabarettist Max Uthoff mit Zeichensprache beim Sommer in Park in Vellmar. Foto: Fischer

Als Leiter der ZDF-"Anstalt" hat Max Uthoff das deutsche Kabarett revolutioniert. Bei seinem umjubelten Auftritt beim Vellmarer Sommer im Park legte sich der Münchner mit allen an.

Vellmar. Von seinen Landsleuten und der Freistaatspartei CSU hat der Münchner Kabarettist Max Uthoff nicht den besten Eindruck. „Wir Bayern glauben, dass es Diskriminierung ist, wenn immer der Kompetenteste den Job bekommt“, sagt der 47-Jährige am Dienstag beim Vellmarer Sommer im Park.

Es ist trotzdem gut, dass das ZDF Uthoff mit seinem Kollegen Claus von Wagner voriges Jahr zum Leiter der Satire-„Anstalt“ gemacht hat. Der 47-Jährige ist nicht nur kompetent, sondern der beste deutsche Kabarettist, wie er in Vellmar vor 600 begeisterten Zuschauern mit seinem Programm „Gegendarstellung“ bewies.

UTHOFF IST REVOLUTIONÄR

Mit seinem Kollegen von Wagner hat der studierte Jurist hierzulande eine neue Form des Kabaretts etabliert. Es ist nicht mehr nur komisch, sondern journalistisch und investigativ, es stößt Debatten an und stellt Mächtige bloß. Der „Zeit“-Journalist Josef Joffe verklagte Uthoff und Co. sogar, nachdem sie ihm enge Kontakte zu transatlantischen Lobbygruppen nachgewiesen hatten. Die Kabarettisten siegten.

In Vellmar deckt Uthoff etwa die Verflechtungen des Emirats Katar auf, das Anteile an VW hält und zugleich Terrorgruppen wie die Hamas unterstützt. Lenkraketen, die in Israel nicht nur VW-Autos zerstören, könnten mit Gewinnen aus Wolfsburg finanziert sein. „Die Welt ist rund“, sagt Uthoff.

UTHOFF IST WÜTEND

„Meine Wut ist größer geworden“, hatte Uthoff unserer Zeitung schon im Dezember gestanden. Es geht viel um die Auswüchse des Kapitalismus. Der rote Faden ist die Verachtung, die er allen entgegenbringt - von SPD-Chef Sigmar Gabriel, dem „fröhlichsten Endglied der Nahrungskette“, über die kriegstreibenden Grünen mit ihrer „Heinrich-Böller-Stiftung“ bis zu den Liberalen („Politik für FDP-Wähler ist wie Tabledance für Blinde“).

Uthoff hat den Mut, auch mal fünf Minuten keine Pointe zu setzen. Anstatt dessen zeigt er auf, wie wir alle Hartz-IV-Empfänger mittlerweile mit Ungebildeten gleichsetzen.

UTHOFF IST KOMISCH

Uthoff gönnt den Zuschauern kaum eine Atempause - und trotzdem hört man ihm zweieinhalb Stunden lang gebannt zu. Er hat nicht nur eine Haltung, sondern auch großen Sprachwitz. Nationalismus ist für ihn „die Straßenhure unter den Gefühlen: billig, muss fast jeden ranlassen und wenn man nicht aufpasst, fängt man sich was Schlimmeres ein.“

Am Ende ist man ganz schön am Boden, aber Uthoff richtet die Gäste auf seine Weise wieder auf. Man solle sich schöne Grabsprüche ausdenken. Etwa für Microsoft-Gründer Bill Gates („Sie haben sich erfolgreich abgemeldet“). Oder Angela Merkel („Dieser Weg war alternativlos“). Oder Günter Wallraff („Jetzt ganz unten“). Spätestens da weiß man, dass Max Uthoff ganz weit oben ist.

Max Uthoff tritt auch am 11. Dezember im Gudensberger Bürgerhaus auf. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.