Schüler des Goethegymnasiums zeigten Jura Soyfers Weltuntergangs-Stück in zwei Fassungen

An der Verblendung ändert sich nichts

Düstere Aussichten: Hitler (Andreas Fischer, links) spricht mit Prof. Guck (Musa Karadag). Foto: Schenk

Kassel. Die Erde steht vor ihrem Untergang. Und was machen die Menschen? Denen ist das vollkommen egal. Dieses Szenario steht im Mittelpunkt von Jura Soyfers Stück „Der Weltuntergang oder Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang“ (1936), das im Goethegymnasium Premiere hatte. Der Grundkurs Darstellendes Spiel der Jahrgangsstufe 12 stellte das Ergebnis seines Unterrichts vor. Unter Leitung von Eckhard Lück haben die 27 Schüler ihre Charaktere mit viel Herzblut erarbeitet und eine eigene Herangehensweise an das Werk des österreichischen Autors entwickelt.

Ausgangspunkt des Stücks ist die Entscheidung der Planeten, die Erde von Menschen zu säubern, da diese ansonsten weiter die universelle Sphärenharmonie störe.

Die Sonne schickt also einen Kometen auf seinen Weg, die Welt zu zerstören. Auf eben dieser Erde wissen bald alle von der Bedrohung, doch an Desinteresse und Verblendung der Menschen ändert sich nicht viel. Der Einzige, der sich des ganzen Ausmaßes der Gefahr bewusst ist, Physik-Professor Guck, wird ignoriert. Satirisch zeichnete der jüdische Literat Soyfer im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges ein äußerst beißendes Bild von diplomatischen Handlungsweisen und den alltäglichen Reaktionen der Menschen in einer außergewöhnlichen Situation.

Lück und seine Schüler haben das Stück in zwei Hälften unterteilt. In der ersten nahmen sie sich einer originalgetreuen Adaption an, während sie in der zweiten die Problematik auf heutige Verhältnisse übertrugen. Hier sollte sich der Zuschauer fragen, inwiefern eine solche Modernisierung von Nutzen ist und zwischen einer der beiden Versionen entscheiden. Doch warum entscheiden? Gerade diese Mischung machte den besonderen Reiz der Darbietung aus.

Von Saskia Schenk

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