Sex ist verboten: Bestseller-Autor Tim Parks las in Göttingen

Nachdenklich-amüsant: Tim Parks las im Alten Rathaus beim Literaturherbst. Foto: Kopietz

Göttingen. Tim Parks ist ein zurückhaltender Mann. Er setzt sich, rückt die Brille zurecht, hört den Worten der Moderatorin Barbara Schaff zu. Dann spricht er: leise, liest später wohlbetont, schmunzelt zu Passagen, die ihm gefallen. Das tun am Montag im Alten Rathaus in Göttingen anlässlich der Literaturherbst-Lesung 80 Besucher.

Es hätten mehr sein dürfen und sollen. Denn es macht Freude, Parks’ feinem Englisch zuzuhören, zu erleben, wie er der lebenslustigen Hauptfigur Beth in seinem neuen Roman „Sex ist verboten“ Esprit verleiht. Wie zuvor hat Tim Parks darin eigene Erlebnisse einfließen lassen. Die transportiert eben jene Beth, die peppige Ich-Erzählerin im Buch.

Beth arbeitet als Helferin in einem buddhistischen Zentrum, wo gestresste Menschen zehn Tage verbringen. Vieles ist verboten: Sprechen vor allem – und natürlich Sex, was das Verlangen der zuvor mit zwei Liebhabern ausgestatteten Beth nicht verringert.

Auch Tim Parks hat ein Schweige-Retreat gemacht – als es ihm schlecht ging, er von durch die Schulmedizin nicht zu heilenden Schmerzen gepeinigt wurde. „Die Stille, das Schweigen, ist für Menschen, die stets nach Worten suchen, ein Fluch – später ein Segen“, erzählt Tim Parks, dessen skeptische Sicht auf Dinge wie eben diese Retreats sich verändert hat. Parks hat keine Schmerzen mehr. Er lebt in der Nähe von Verona und schreibt Bücher über Italien, Fußball, Kanufahren und Kranke. Und Bücher, die es schaffen, Wörter für die Stille zu finden. So ist „Sex ist verboten“ ein Roman, der Selbsterfahrungen spiegelt, mit ihnen spielt, gleichzeitig laut und still sowie humorvoll ist.

Am Ende der Lesung bleibt ein angenehmes Gefühl, einem 58-jährigen Mann zugehört zu haben, der für sich neue Wege entdeckt hat, auch in der Bewältigung dunkler Lebenskrisen, aber deshalb keinesfalls wie einer dieser überflüssigen und nervenden Gurus oder Werbe-Typen auftritt.

Und die Zuhörer nehmen Sätze mit wie: „Der Schmerz ist eine Tür, geh hindurch.“

Tim Parks: Sex ist verboten. Verlag Antje Kunstmann, 320 Seiten, 19,95 Euro.

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