Verdammt langer Abend: 1200 Fans feiern Wolfgang Niedecken und BAP in Kassel

Begeisterte in der Stadthalle seine Fans: Wolfgang Niedecken spielte mit BAP dreieinhalb Stunden Programm aus 40 Jahren Bandgeschichte. Links Michael Nass an den Tasteninstrumenten, rechts Schlagzeuger Sönke Reich. Foto:  Malmus

Kassel. Es ist spät geworden. Sehr spät. Als Kölsch-Rocker Wolfgang Niedecken das letzte Lied des Abends mit den Worten „Es glaubt mir kein Mensch, aber irgendwann ist auch mal ein BAP-Konzert zu Ende“ ankündigt, haben die Fans fast dreieinhalb Stunden gesungen, getanzt und gefeiert. Um 23.20 Uhr endet das Jubiläumskonzert der Lebenslänglich-Tour in der Stadthalle – nach einer Reise durch 40 Jahre Bandgeschichte.

Nach den Klassikern „Frau, ich freu mich“ und „Ne schöne Jrooß“ ist das Publikum sofort voll da. Der Großteil der 1200 Zuschauer, die ihre Helden mit Anfang oder Mitte 20 erstmals auf der Bühne gesehen haben, sind nun selbst so alt wie der 65-jährige Niedecken. Allerdings hat das Kölner Urgestein mittlerweile jüngere Unterstützung auf der Bühne. Neben dem Schlagzeuger Sönke Reich (33) ist auch Ulrich Rode (42) neu dabei.

Der Gitarrist lässt BAP nach einigen akustischen Ausflügen wieder mehr rocken, spielt die Soli bei „Do kanns zaubere“ oder „Jupp“ fast so originalgetreu wie einst Ikone Klaus „Major“ Heuser. Neben Michael Nass an den Tasteninstrumenten und Bassist Werner Kopal zeigt vor allem Multiinstrumentalistin Anne de Wolff mit Geige, Posaune, Xylofon und vielem mehr, dass sich BAP weiterentwickelt.

Aber es geht nicht nur um Musik. Niedecken plaudert. Wie bei einem großen Klassentreffen. In Kassel habe er während eines Konzerts im April 2014 den perfekten Aufstieg des 1. FC Köln mitbekommen. „Und ich lernte an diesem Abend, was ein Selfie ist“, erzählt Niedecken, der damals für die Kölner Boulevardzeitung „Express“ ein Beweisbild machen sollte. Am Mittwochabend fotografierte übrigens Niedeckens Ehefrau Tina.

Aber der BAP-Frontmann redet auch Klartext. „Ich hätte nie gedacht, dass ein solcher Kotzbrocken der neue Präsident von Amerika wird“, urteilt Niedecken über Donald Trump vor den politischen Songs „Absurdistan“ und „Vision von Europa“.

Vier Balladen spielt die Band im Sitzen, danach hämmert BAP die Rassismus-Kritik in „Kristallnaach“ und „Arsch huh, Zäng ussenander“ in die Köpfe der Fans. Die Stimmung ist bei der Hymne „Verdamp lang her“ endgültig auf dem Höhepunkt. Und Niedecken bescheinigt: „Euer Kölsch ist perfekt, damit besteht ihr auch in Müngersdorf.“ Passend zu den vielen alten Bildern und Videos auf der Leinwand beenden die Kölner einen langen Abend mit „Noh all dänne Johre“. Dann ist das Konzert wirklich zu Ende.

Von Torsten Kohlhaase

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