Von Sex bis Verdauung: Jürgen von der Lippe in der Stadthalle

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Präsentierte sein Soloprogramm „Was soll ich sagen?“: Jürgen von der Lippe (65). Foto:  Malmus

Kassel. Der Beruf beeinflusst die Sprache. Das hat Jürgen von der Lippe nicht zuletzt bei sich selbst festgestellt. Als ehemaliger Germanistikstudent pflegt er einen gehobenen Wortschatz. Als Komiker scheut er nicht den derben Witz.

Nur wenige Plätze waren zu seinem Auftritt am Samstagabend in der Stadthalle frei geblieben. Fans aus fast 40 Bühnenjahren aus Kassel und der Umgebung waren gekommen. Die Stimmung war großartig. Jürgen von der Lippe ist ein Komiker und Entertainer der alten Schule. Von jungen Kollegen unterscheidet ihn angenehm, dass er aufs Beste unterhält, ohne angestrengt und aufgekratzt zu sein.

Schnell stellt Jürgen von der Lippe in Kassel fest, dass sein Publikum Witze über Pornografie lustiger findet als solche über den falschen Gebrauch des Plusquamperfekts. Sex wird also neben Alkohol und Verdauungsschwierigkeiten eines der großen Themengebiete des Abends.

Profi-Boxer Marco Huck, so erzählt Lippe, habe einmal in einem Interview gesagt, er würde mit dem Sex bis zur Ehe warten, weil sich das lohnt. Lippe sagt: „Wart’s ab!“ Der Mann, der in den 80er-Jahren kurz mit Margarethe Schreinemakers verheiratet war, jetzt aber wieder mit seiner ersten Frau zusammenlebt, kennt sich mit dem weiblichen Geschlecht aus, versteht es aber nicht. Er rät Männern darum, in allen brenzligen Situationen mit der Partnerin nur auf zweierlei Weise zu reagieren: Entweder den Satz „Geht mir genauso“ sagen oder geradeaus gucken und alles abstreiten.

Neben Ansichten über die Welt („Fahrradhelme haben etwas Dialektisches. Sie sollen einen vor einem schweren Hirnschaden schützen, aber sie sehen aus, als hätte man einen“) und Einsichten aus seinem Leben präsentiert Lippe auch Lieder: melancholische und mahnend-aufklärerische Lieder, Protestlieder, Trinklieder und Liebeslieder. Dabei amüsiert es ihn prächtig, wenn es dem Publikum nicht gelingt, den richtigen Einsatz für den Refrain zu finden. Für ein Sprachspiel und ein Musikquiz holt Lippe zweimal zwei Pärchen aus dem Publikum auf die Bühne. Beide Spiele scheitern kolossal. Lippe zeigt sich in diesen Momenten als charmanter Gastgeber und geübter Dompteur, der auch ein Spiel, dessen Regeln die Mitspieler nicht verstanden haben, lustig zu Ende bringt. Nach vielen Zugaben und zweieinhalb Stunden Programm verabschiedete er sein Publikum in die Nacht.

Jürgen von der Lippe tritt am Donnerstag, 8. Mai, 20 Uhr, in der Stadthalle Göttingen auf.

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