Verdis „Requiem“: Hier ist alles gesagt

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Ein Mammutwerk: Eine eindrucksvolle Kulisse für Verdis „Requiem“ bietet die Stiftsruine mit dem Konzert- und Festspielchor, dem Landesjugendchor, Sängern aus Polen, dem Karlsbader Sinfonie-Orchester, Mitgliedern der Virtuosi Brunenses sowie Solisten. Unsere Fotos entstanden bei der Generalprobe. Heute wird die Aufführung wiederholt.

Bad Hersfeld. Eine Darbietung von Giuseppe Verdis "Missa da Requiem" bei den Hersfelder Festspielen wurde ergänzt durch Lesungen von Ben Becker.

Zu den Monolithen der Musikgeschichte gehört die „Missa da Requiem“ von Giuseppe Verdi. Die Vertonung der lateinischen Totenmesse entwirft mit den musikalischen Mitteln des Operngenies ein Panorama von Abgründen und Himmelshöhen, von Sünde, Reue und Errettung. Hier geht es ums Ganze. Seit seiner Uraufführung 1874 in Mailand ist das Requiem der katholischen Kirche entwachsen, wurde menschliches Allgemeingut.

Das Anderthalbstundenwerk braucht den großen Auftritt, und den bekam es am Samstagabend bei den Festspielen in der Hersfelder Stiftsruine. Gut neunzig Sänger, ein kaum kleineres Orchester, vier Gesangssolisten (Evelina Dobraceva, Constance Heller, Sung Min Song, Tobias Schabel) und eben die gewaltige Ruine als Memento mori. Wirkungsvoller kann man das Stück nicht inszenieren. Und die Qualität der Aufführung war solide.

Ergänzt die Aufführung durch Texte: Ben Becker.

Der Hessische Konzert- & Festspielchor, verstärkt durch den Hessischen Landesjugendchor und Gäste aus Polen, sang über weite Strecken sehr geschlossen und flächig. Das gewaltige „Dies irae“ geriet erschütternd, die große „Libera me“-Fuge am Ende allerdings etwas wackelig. Ulrich Manfred Metzger führte die Klangmassen von Chor und den beiden zusammengefügten Orchestern aus Karlsbad und Brünn mit ruhiger Hand, setzte absichtlich nicht auf Überwältigung, sondern auf feine Kontraste.

Verdis Requiem spricht für sich, alles ist darin gesagt. Dennoch verpflichtete Festspielchef Dieter Wedel einen bekannten Schauspieler, der zwischen den Sätzen biblische und literarische Texte las. Als einen „Wahnsinnigen im besten Sinne“ bezeichnete der Festspielchef Ben Becker. Den Künstlerwahnsinn, den er bei seinem Auftritt im Mai in Homberg nicht im Griff hatte, ließ er diesmal im Hotel. Im schwarzen Anzug las er von seinem erhobenen Podest mit seiner unverkennbaren, sehr ins Pastorale gewandten Stimme, bei der schon die Ankündigung des nächsten Textes ein Ereignis ist. Großer Beifall war ihm und allen anderen gewiss.

• Zweite Aufführung: Montag, 20.30 Uhr, Stiftsruine. www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Johannes Mundry

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