Neu im Kino: Stephen Frears’ Provinzkomödie „Immer Drama um Tamara“

Sie verdreht allen den Kopf

Ein Lichtblick im dörflichen Einerlei: Bond-Girl Gemma Arterton kehrt als Tamara Drewe in ihr Heimatdorf zurück und macht die Männerwelt verrückt. Foto: Prokino

Friedlich grasen die Kühe auf der Weide. Auf der anderen Seite des Zaunes sitzen Schriftsteller an kleinen Tischen und hämmern blutrünstige Lesbenkrimis sowie Biografien in ihre Notebook-Tastaturen. Auf der Suche nach Ruhe und Inspiration haben sie sich zurückgezogen in die ländliche Idylle von Ewedown in der englischen Grafschaft Dorset, wo der Bestseller-Autor Nicholas Hardiment (Roger Allam) und seine Frau Beth (Tamsin Greig) ein Refugium für großstadtmüde Literaten betreiben.

Aber die kreative Routine im ländlichen Autoren-Ghetto wird empfindlich gestört, als Tamara (Gemma Arterton) in das Dorf ihrer Kindheit zurückkehrt. Als hässliches Entlein mit einer riesigen Nase zog sie vor einigen Jahren gen London und steigt nun nach erfolgreicher Schönheitsoperation als echter Hingucker in engen Shorts und knallrotem Tank-Top über den Zaun.

Im reizarmen Refugium wird die hübsche Nachbarin zum Quell der Inspiration und zum erotischen Katalysator. Der Hausherr, der es mit der ehelichen Treue ohnehin nicht sehr genau nimmt, ist von der Heimgekehrten ebenso angetan wie Hausgärtner Andy (Luke Evans). Als Tamara dann auch noch einen begehrten Rockstar als Lover anschleppt, geraten auch die gelangweilten Schulmädchen des Dorfes in Hysterie und mischen das Liebesleben der Erwachsenen gründlich auf.

Mit „Immer Drama um Tamara“ verfilmt Regisseur Stephen Frears einen Comic von Posy Simmond, die sich ihrerseits von Thomas Hardys „Am grünen Rand der Welt“ inspirieren ließ und mit ihrer Serie im britischen „Guardian“ und später auch in der internationalen Comicszene für Furore sorgte.

Im Gegensatz zur Vorlage ist Frears Film sehr konventionell erzählt. In gemütlichem Erzähltempo bewegt er sich durch die Geschichte und setzt die vom dümmlichen deutschen Verleihtitel in Aussicht gestellten Dramen mit britischem Understatement in Szene. Die Schriftstellerenklave als skurriler Mikrokosmos erweist sich hier als tragfähige Grundidee, und in den geschliffenen Dialogen wird die intellektuelle Selbstgefälligkeit der Figuren genüsslich karikiert.

Die Titelfigur Tamara, die mit Bond-Girl Gemma Arterton optisch optimal besetzt ist, bleibt allerdings in der Charakterisierung ein wenig blass. Als wohltemperierte Komödie plätschert „Immer Drama mit Tamara“ angenehm unterhaltsam dahin. Aber den satirischen Biss von Frears meisterhaftem Intrigenspiel „Gefährliche Liebschaften“ und die emotionale Genauigkeit und analytische Schärfe von „The Queen“ wird man in diesem eher routinierten Lustspiel nicht finden.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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