Chris Norman und Band im Musiktheater Kassel

Die Vergangenheit hat eine Zukunft

Rauch der Gitarrensalven: Chris Norman. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wenn Pop-Haudegen und Rock-Veteranen touren, kann man oft LPs auf den Plattenteller werfen und vorhören, was einem geboten werden wird. Beim Auftritt von Chris Norman am Dienstag im fast ausverkauften Musiktheater in Kassel hätte das wenig genutzt.

Was er einst butterweich in glänzendes Vinyl hat pressen lassen, klang aktuell wie saftig digitalisierter Partyrock. Norman verordnete seinem etwas faltigen Hitmaterial ein radikales Facelifting, entledigte sich der Schnittmuster der 80er und engagierte ein hungriges Newrock-Quintett für die Liveshows. So segelte man unter Piratenflagge durch seichte Gewässer von „Living next door to Alice“ und „Midnight Lady“, der Rauch mächtiger Gitarrensalven und treibender Beats verteilte sich im Saal.

Kapitän Norman fühlte sich wohl zwischen seiner draufgängerischen Crew. Flirts mit Sängerin und Gitarristin Stephanie Forryan (USA) und Keyboarderin Martina Wahlbeck bewiesen, dass sein Rock-’n’-Roll-Feuer nicht erloschen ist. Gesanglich ist er gut wie nie. Norman ging ohne sichtbare Anstrengung über die volle Distanz von fast drei Stunden.

Bis auf eine etwas konturenlose Interpretation von „Chasing Cars“ (Snow Patrol) reihte sich Perle an Perle. Wie es sich für ein Piratenschiff gehört, lagerten fremde Schätze an Bord. „Get it on“ (T. Rex), „The Boxer“ (Simon & Garfunkel) und „Sledgehammer“ (Peter Gabriel) sorgten für prächtige Stimmung. Auch wo sich die Band moderner Navigationsmethoden bediente, verlor sie den Kurs nie aus den Augen. Mit „Stumblin’ In“, „Needles & Pins“ und „Oh Carol“ fand sie einen Ankerplatz in der nostalgischen Erinnerung an Zeiten, als Schlaghose und lange Haare eines Mannes ein Hausverbot in der elterlichen Villa der Freundin provozierten.

Die tänzerischen Aktivitäten hielten sich in Grenzen, doch Bassist Axel Kowollik, Dorino Goldbrunner (Drums) und Gitarrist Axel Manrico Heilhecker verliehen den Arrangements einen grandiosen Puls. Viel Applaus für einen Künstler und seine Band, die der Vergangenheit eine Zukunft garantieren.

Von Andreas Köthe

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