Werk von Harry Kramer rückt in Lübeck ins Rampenlicht

Vergessene Figuren

Skurril: Einige der entdeckten Harry-Kramer-Figuren. Fotos: dpa

Kassel/Lübeck. Lange Jahre verschollen geglaubte 17 Skulpturen des documenta-Künstlers und ehemaligen Kasseler Professors Harry Kramer (1925-1997) sind im Theaterfiguren-Museum Lübeck wiederentdeckt worden. Mit einer Sonderausstellung, einer Filmnacht und einer Tagung widmen sich Zeitzeugen, Weggefährten, Kramer-Schüler, Wissenschaftler und Studenten am kommenden Wochenende dem Fund. „Die Kunstszene steht kopf“, beobachtet Museumsleiterin Martina Wagner.

Kramer, der aus Lingen stammte, eine Friseurlehre absolvierte und sich nach dem Krieg als Tänzer durchschlug, entwickelte Anfang der 50er-Jahre skurril-abstrakte Figuren aus Draht, Papiermaché und Holz, die zu Jazz-Musik bewegt wurden. Sein „Mechanisches Theater“ stellte er 1956 auf dem Pariser Festival d’art d’avantgarde vor. In dieser Zeit lernte er den Schriftsteller Günter Grass kennen, der Kramers Figuren als „anschauliche Anregung“ etwa für seine „Hundejahre“ bezeichnete. 1962 erhielt Kramer bei der Venedig-Biennale für einen seiner Experimentalfilme, „Die Schleuse“, den Goldenen Löwen. 1964 nahm er mit „automobilen Skulpturen“ an der documenta teil. Von 1971 bis 1992 lehrte Kramer an der Kasseler Kunsthochschule. Bestattet ist er in der Künstlernekropole am Blauen See im Habichtswald.

Die nun entdeckten Figuren hatte Kramer dem Gründer des Lübecker Theaterfiguren-Museums, Fritz Fey junior, geschenkt. Davon wusste der Verfasser des Kramer-Werkverzeichnisses aber nichts - so zeigte das Museum jahrelang Skulpturen, ohne zu wissen, welchen Schatz es beherbergt.

Für das Symposium stellt das documenta-Archiv Kassel Filme Kramers für eine Filmnacht zur Verfügung. Studierende der Kasseler Trickfilmklasse von Martina Bramkamp haben den Biennale-Sieger „Die Schleuse“ nach 50 Jahren neu verfilmt. Die Ausstellung (bis 5.7.) wird durch Leihgaben von Kramer-Werken ergänzt. www.figurentheater-luebeck.de

Von Mark-Christian von Busse

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