Ein Vergleich: Klassikalben von den Pianisten Sebastian Knauer und William Youn

Vienna 1789. Sebastian Knauer, Zürcher Kammerorchester, Sir Roger Norrington. Berlin Classics. Wertung: !!!!:

Wie spielt man die Klaviermusik der Wiener Klassik? Auf diese Frage gibt es keine endgültige, aber viele vorläufige Antworten. Vorläufig sind sie nicht deshalb, weil die großen Pianisten bisher keine überzeugenden Interpretationen der Werke Haydns, Mozarts und Beethovens zustande gebracht hätten. Aber mehr als bei der Klaviermusik der Romantik unterliegt die Klassik einem permanenten Geschmackswandel.

Ballast abwerfen, ist derzeit die Devise von einigen jüngeren Interpreten. Weg von der Bedeutungsschwere, hin zu einem entspannten, eleganten und dabei sehr präzisen Spiel. Nicht immer geht das gut. Igor Levits Einspielung der späten Beethoven-Sonaten etwa fehlt es an Gewicht und Dramatik.

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der deutsche Pianist Sebastian Knauer (42) mit den Wiener Klassikern. Auf seinem neuen Album „Vienna 1789“ vereint er je eine Komposition von Haydn, Mozart und Beethoven, die im Revolutionsjahr 1789 entstanden ist.

So unterschiedlich Mozarts letztes (KV 595) und Beethovens (zeitlich) erstes Klavierkonzert (op. 19) und Haydns Es-Dur-Sonate Hob. XVI:49 in ihrer Machart sind: Knauer findet mit großer Differenziertheit für jedes Werk einen eigenen Ton, unprätentiös, elegant, aber doch gewichtig. Leider stört Sir Roger Norringtons Orchesterbegleitung mit einigen unnötigen Grobheiten, die der Dirigier-Exzentriker wohl originell findet.

Als Poet am Klavier wird der in Korea geborene William Youn (31) gefeiert. Bei Oehmsclassic ist jetzt die erste Folge seiner Einspielung von Mozarts Klaviersonaten erschienen. Tatsächlich setzt Youn nicht zuvorderst auf technische Brillanz.

Der Einstieg ins Album mit der Es-Dur-Sonate KV 282, die mit einem verhaltenen Adagio beginnt, ist kein Zufall. Zurückhaltend, schlicht und mit weichem Ton spielt Youn diese Sonate, gefühlvoll, aber diskret. Erst allmählich erschließt sich das Ausdrucksspektrum dieses Pianisten, der auf die große Geste verzichtet, aber in der a-Moll-Sonate KV 310 eine Menge dramatische Intensität entwickelt.

So unterschiedliche Charaktere Knauer und Youn auch sein mögen, beiden gelingt es auf ihre Weise, die Musik Mozarts und seiner Zeitgenossen als geistreiches Vergnügen zu präsentieren, ohne sie zu überfrachten.

Von Werner Fritsch

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