Kultursommer Nordhessen verabschiedet sich mit Filmmusik des Euyo-Orchesters

Ein Vergnügen für alle

Explosive Spielfreude: Musiker des Europan Union Youth Orchestra (Euyo), geleitet von Dirk Brossé. Foto: Malmus

Kassel. Das schönste Solo hatte die Oboe. In Ennio Morricones Musik zum Film „Mission“ (1986) spielt sie eine elegische Melodie, begleitet von Streichern.

Beim Auftritt des Europan Union Youth Orchestra (Euyo) zum Abschluss des Kultursommers Nordhessen in der Stadthalle gestaltete der 24-jährige Brite Peter Facer dieses Oboensolo. Ein Auftritt am Solistenpult vor 1100 Zuhörern - eine aufregende Angelegenheit für einen jungen Musiker.

Das glückliche Strahlen, als ihm sein Solo ausdrucksvoll und mit herrlichem Ton gelungen war, der Beifall seiner 100 Musikerkollegen und des Publikums brachten auf den Punkt, worum es bei EUYO geht: Einige der besten Nachwuchsmusiker aus 27 Ländern arbeiten gemeinsam, motivieren sich zu Höchstleistungen und bereiten sich und dem Publikum großes Vergnügen.

Filmmusik stand auf dem Programm, Anlass war der 80. Geburtstag eines der größten dieses Genres, John Williams. Um einige seiner Hits war das Programm komponiert: „Der weiße Hai“, „Schindlers Liste“ mit dem anrührenden Violinsolo, gespielt von der britischen Konzertmeisterin Sarah Sew (26), „Jäger des verlorenen Schatzes“ und die Ohrwurmmusik von „Star Wars“. Der Breitwandklang vieler dieser Filmmusiken, angefangen von Erich Korngolds üppigem Soundtrack zu „Der Herr der sieben Meere“ von 1940 bis zu Alan Silvestris gewaltiger Musik zu „Zurück in die Zukunft“ (1995), kam der explosiven Spielfreude der jungen Musiker entgegen.

Ob Filmmusik tatsächlich geeignet ist, ein junges Publikum für Orchestermusik zu begeistern, wie Dirigent Dirk Brossé in seiner Ansprache meinte, ist nicht ausgemacht. Der Altersdurchschnitt unterschied sich kaum von dem anderer Konzerte. Auffällig war, dass es speziell ältere Filmmusiken waren, die sich auf neues Terrain wagten. Insbesondere Bernard Hermanns Musiken zu den Hitchcock-Klassikern „Psycho“, „Vertigo“ und „Der unsichtbare Dritte“ erreichen ihre Spannungsmomente mit ungewöhnlichen, teils stark dissonanten Klängen.

Brossé, der belgische Dirigent, erwies sich als versierter und wirkungsbewusster Klangregisseur. Doch war das EUYO in Sachen Präzision und Intonation nicht ganz auf dem Stand, auf dem es sich 2011 unter Vladimir Ashkenazy präsentiert hatte. Dem Erfolg tat’s keinen Abbruch: Erst nach drei Zugaben entließ das jubelnde Publikum die Musiker.

Von Werner Fritsch

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