Händels „Messias“ mit dem Kasseler Bachchor und Norbert Ternes in der Martinskirche

Verhaltenheit statt Feuer

Gepflegter Chorgesang: Blick auf die Altstimmen des Kasseler Bachchores. Foto: Malmus

Kassel. Dass die Musik Händels stets etwas Triumphales ausstrahlt, ist ein Klischee, das man nicht immer bedienen muss. Norbert Ternes und sein Kasseler Bachchor jedenfalls haben sich bei ihrer Aufführung des „Messias“ in englischer Sprache bewusst für einen anderen Weg entschieden.

Nicht der trompetenglänzende „Halleluja“-Chor war der Maßstab dieser Aufführung, sondern, beispielsweise, die kontemplative Altarie „He was despised“ (Er ward verachtet). Fast hatte die Aufführung etwas Passionsartiges in ihrer Verhaltenheit und Zurücknahme.

Dabei war alles einheitlich durchgeformt. Schon mit dem ersten Choreinsatz „And the Glory of the Lord“ (Und die Herrlichkeit des Herrn) machte Ternes deutlich, dass der auf 40 Stimmen reduzierte Bachchor auf gepflegte Klanglichkeit setzt, auf lebendige Artikulation, sichere Intonation, aber nicht auf feuriges Auftrumpfen. Ein konsequenter Musizierstil, der die Aufführung vor rund 600 Zuhörern in der Martinkirche in eine einheitliche Atmosphäre tauchte.

Umso größer war die Wirkung, als dann an zwei Stellen, beim berühmten „Halleluja“ und nochmals beim Schluss-chor, sich der Chor (hier verstärkt durch die vier Solisten) zu einem wahrhaft kraftvollen und lebendigen Fortissimo aufschwang - unterstützt von den erstklassigen Clarin-Trompeten der Accademia Filarmonica Köln.

Äußerst klar und gepflegt agierten auch die Solisten: Die Sopranistin Anja Zügner verlieh der Arie „I know that my Redeemer liveth“ (Ich weiß, dass mein Erlöser lebet) zugleich Strahlkraft und Innigkeit. Die souveräne Altistin Annekathrin Laabs bewies große Stilsicherheit, ebenso auch der mit heller Klarheit singende Tenor Nils Giebelhausen. Jochen Faulhammers sonorer Bass stieß allenfalls bei den raschen Koloraturen der Arie „Why do the nations so furiously rage?“ (Warum rasen die Völker so wütend?) an gewisse Grenzen.

Der Grund, warum diese insgesamt sehr ausgefeilte Aufführung dennoch nicht ganz befriedigen konnte, lag an einigen übermäßig langsamen Tempi. Schon die einleitende Sinfonia war so gedehnt, dass ein musikalischer Fluss kaum aufkommen wollte - ein Phänomen, das sich öfter wiederholte, etwa auch bei der eingangs erwähnten Altarie.

Entsprechend gab es lang anhaltenden, aber nicht allzu überschwänglichen Beifall.

Von Werner Fritsch

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